Swetlana Alexijewitsch: «Der Weg zur Freiheit ist lang»

Die weißrussische Autorin und Regimekritikerin Swetlana Alexijewitsch hat keine Hoffnung auf schnelle politische Veränderungen in ihrer Heimat. «Der Weg zur Freiheit ist lang», sagte sie am Freitag vor Journalisten auf der Frankfurter Buchmesse.

Swetlana Alexijewitsch: «Der Weg zur Freiheit ist lang»
Arne Dedert Swetlana Alexijewitsch: «Der Weg zur Freiheit ist lang»

«Ein Mensch, der 40 Jahre lang im Lager gelebt hat, kann nur im Lager leben.» Alexijewitsch, die mit ihren dokumentarischen Büchern als Chronistin des zerfallenden Sowjetimperiums gilt, nimmt am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen.

Die 65-jährige Autorin sprach von einer «Zivilisation des Leidens und der Tränen». In Russland litten die Menschen unter Präsident Wladimir Putin und dem «wilden Kapitalismus». In Weißrussland stützten vor allem die Älteren das autoritäre Regime von Präsident Alexander Lukaschenko, weil sie Angst vor jeglichen Veränderungen hätten. Den Intellektuellen warf sie vor, nach dem Zerfall der Sowjetunion geschwiegen zu haben. Ehemalige KP-Parteimitglieder und andere Emporkömmlinge seien dann in das Machtvakuum eingedrungen.