Sydney: Polizei beendet Geiselnahme nach 16 Stunden

Nach 16 Stunden hat die Polizei im australischen Sydney eine Geiselnahme mit möglicherweise islamistischem Hintergrund beendet. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte stürmten das Café in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit).

Sydney: Polizei beendet Geiselnahme nach 16 Stunden
Mick Tsikas Sydney: Polizei beendet Geiselnahme nach 16 Stunden

Der Geiselnehmer, ein vorbestrafter radikaler Iraner, sei ums Leben gekommen, berichteten die Sender 7News und 9News unter Berufung auf die Polizei. Auch eine Geisel starb demnach. Die genauen Umstände blieben zunächst unklar. Die Polizei teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter lediglich mit: «Sydney-Geiselnahme ist beendet.» Wann genau sie weitere Details bekanntgibt, blieb offen.

Der bewaffnete Mann - wohl ein Einzeltäter - war am Montagmorgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café am Martin Place in Sydneys Innenstadt gestürmt. Wie viele Menschen sich zu dem Zeitpunkt dort aufhielten, war unklar. Nach Angaben der Vize-Polizeichefin Catherine Burn waren es weniger als 30.

Der 49- oder 50-jährige Geiselnehmer, dem Australien Asyl gewährte, bezeichnete sich den Angaben zufolge selbst als muslimischer Kleriker und Heiler. Auf TV-Bildern war zu sehen, dass er ein Stirnband mit arabischen Schriftzeichen trug und mehrere Geiseln zwang, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in die Fensterscheibe des Cafés zu halten.

Seine genauen Motive waren laut Polizei unklar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge forderte der Geiselnehmer mehrfach, den australischen Regierungschef Tony Abbott zu sprechen.

Der Iraner sei wegen sexueller Übergriffe in mehr als 40 Fällen sowie im Zusammenhang mit dem Tod seiner Ex-Frau wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, berichteten Medien übereinstimmend. Er sei gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen, sagte Anwalt Manny Conditsis, der den Mann im vergangenen Jahr verteidigt hatte. Der Iraner schrieb auch Hassbriefe an Angehörige gefallener australischer Soldaten.

Fünf der Geiseln hatten noch am Tage aus dem Café im Geschäftsviertel entkommen können. Fotos zeigten eine Angestellte mit Schürze, die mit Panik im Gesicht auf Polizisten in schwerer Montur zurannte. Ob der Geiselnehmer seine Opfer freiließ oder sie flüchten konnten, sagte die Polizei nicht.

Die Beamten riegelten den Tatort weiträumig ab, überall gingen schwer bewaffnete Einsatzkräfte in kugelsicheren Westen in Stellung. Gebäude wurden geräumt, darunter vorsichtshalber auch das berühmte Opernhaus. Die Polizei verhandelte nach eigenen Angaben mit dem Geiselnehmer. Dann flüchteten in der Nacht gegen 02.30 Uhr sechs weitere Geiseln, worauf die Polizei das Lokal stürmte. Es fielen Schüsse, Explosionen waren zu hören. Verletzte wurden auf Tragen zu Krankenwagen gebracht.

Fernsehsender hatten den Geiselnehmer schon am Morgen durch ein Fenster des Cafés gefilmt. Auf der Fahne standen die Worte der sogenannten Schahada («Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet»), die auch von Islamisten wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) benutzt werden.

In Australien gilt seit September Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: «Terroranschlag wahrscheinlich». Bei einer Großrazzia hatte die Polizei damals nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten und Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und Irak.