Syriens Nachbarn bitten um Hilfe

Syriens Nachbarländer haben die internationale Gemeinschaft eindringlich zu weiterer Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlings-Dramas in der Region aufgefordert.

Syriens Nachbarn bitten um Hilfe
Sedat Suna Syriens Nachbarn bitten um Hilfe

Bei einer Konferenz mit Vertretern von 40 Ländern und Organisationen in Berlin sagte der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam, sein Land habe die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Er rief die Weltgemeinschaft dazu auf, die finanziellen Hilfen auszuweiten und mehr Flüchtlinge aufzunehmen als bisher.

Verschiedenen Schätzungen zufolge sind seit Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren zwischen drei und fünf Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflüchtet - vor allem in die Anrainerstaaten Libanon, Jordanien und die Türkei. Der jordanische Außenminister Nasser Judeh sprach von einer «Ermüdung» bei der Aufnahmebereitschaft und von sozialen Spannungen.

Der stellvertretende türkische Außenminister Naci Koru beklagte, sein Land trage Kosten von vier Milliarden US-Dollar (3,15 Milliarden Euro), werde von der internationalen Gemeinschaft aber nur mit rund 250 Millionen Dollar (197 Millionen Euro) unterstützt.

Auch UN-Flüchtlingskommissar António Guterres kritisierte, dass die internationale Unterstützung nicht ausreiche. «Die Situation in Syrien ist die dramatischste humanitäre Krise, die die Welt in letzter Zeit gesehen hat», sagte er. Die betroffenen Länder bräuchten finanzielle Hilfe. «Es müssen Prioritäten verschoben werden bei der entwicklungspolitischen Unterstützung.»

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sicherte den betroffenen Ländern die Solidarität der internationalen Gemeinschaft zu. «Wir müssen in Krankenhäuser, Schulen, Wasserversorgung und Abfallversorgung investieren, um den Zusammenbruch öffentlicher Dienste zu verhindern.»

Entwicklungsminister Gerd Müller mahnte massive internationale Winterhilfe an. «Es fehlt an allem, es geht jetzt um das Überleben», sagte der CSU-Politiker im rbb-Inforadio. Jeder zweite Syrer sei auf der Flucht oder vertrieben. Im Irak lebten 200 000 bis 300 000 Menschen im Schlamm, denen dringend geholfen werden müsse. «Jetzt regnet es, dann kommt der Winter, dann kommt der Tod», warnte Müller. 26 Flüchtlingscamps seien im Irak erforderlich. Deutschland werde sich am Aufbau der Notunterkünfte beteiligen.

Als weitere konkrete Maßnahme kündigte Steinmeier ein neues Stipendienprogramm an, das bis zu hundert Flüchtlingen aus Syrien ein Studium in Deutschland ermöglichen soll. Wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mitteilte, stellt das Auswärtige Amt dazu insgesamt 7,8 Millionen Euro zur Verfügung. Zudem wird die Zahl der regulären DAAD-Stipendien verdoppelt.