Syriens Regime startet Bodenoffensive - Russland hilft mit

Eine Woche nach Beginn der russischen Luftangriffe hat das syrische Regime mit Hilfe aus Moskau eine Bodenoffensive gegen Rebellen begonnen.

Die Gefechte nördlich der Stadt Hama seien die heftigsten seit Monaten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Russische Jets hätten in den Provinzen Hama und Idlib fast 40 Ziele bombardiert. Die Operation richtet sich gegen ein Rebellenbündnis, das sowohl das Regime als auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft.

Russland griff nach eigenen Angaben erstmals von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer Ziele in Syrien an. Mehrere Kreuzer hätten elf Stellungen des IS bombardiert, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Die Marschflugkörper legten demnach 1500 Kilometer zurück. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video, das die Raketenstarts zeigen soll. Demnach flogen die Marschflugkörper vom Typ «Kalibr NK» (Nato-Code SS-N-30A «Sizzler») vom Kaspischen Meer aus über den Iran und den Irak nach Syrien.

Die USA passten ihre Militärstrategie mit Ausweichmanövern an die russischen Angriffe an. In mindestens einem Fall habe ein US-Kampfflugzeug seinen Kurs geändert, um eine «sichere Trennung» von russischen Maschinen zu gewährleisten, sagte Marine-Kapitän Jeff Davis im Pentagon. Wie nah die Flugzeuge sich kamen sowie wann und wie oft es bisher zu Ausweichmanövern kam, sagte Davis nicht.

Über die Flugbahnen russischer Marschflugkörper seien die USA nicht informiert worden, sagte Davis. Dass Russland diese im Kaspischen Meer positioniert habe, sei aber «keine Überraschung». Das Pentagon warte noch auf Rückmeldung aus Moskau zu Vorschlägen von vor einer Woche, sich mit Blick auf die Luftsicherheit abzusprechen. Zuvor hatte Pentagonsprecher Peter Cook solche Absprachen angedeutet. Davis erweckte nun den Eindruck, dass es nur bei einem Vorschlag blieb.

Russland hatte vor einer Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen und argumentiert, damit den IS bekämpfen zu wollen. Moskau steht in der Kritik, weil sich die Angriffe vor allem gegen Gebiete unter Kontrolle anderer Regimegegner richteten, die den IS bekämpfen. Beobachter gehen davon aus, dass Russland die Macht des syrischen Machthabers Baschar al-Assad sichern will.

Russland weist die Vorwürfe zurück und gibt an, Extremisten wie den IS zu bombardieren. Inzwischen seien 19 Kommandopunkte und zwölf Waffendepots der Terroristen zerstört worden, sagte Schoigu.

Gegner und Verbündete des Regimes hatten in den vergangenen Tagen berichtet, Tausende Kämpfer aus dem Iran und von der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah seien für eine Bodenoffensive der Armee gegen Rebellen nach Syrien verlegt worden. Osama Abou Seid, Militärberater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), erklärte, der Einsatz am Mittwoch sei der Beginn dieser Offensive. Zunächst war unklar, ob das Regime die Rebellen zurückdrängen konnte. Es gebe auf beiden Seiten Opfer, hieß es.

Schoigu sagte, Russland sei bereit, ein Militärabkommen mit den USA über den Einsatz in Syrien zu treffen. Putin wies den Minister an, sich mit den USA, der Türkei, Saudi-Arabien, dem Irak und dem Iran abzustimmen. Zugleich forderte der Präsident die Führung in Washington auf, mit dem russischen Militär für Luftangriffe in Syrien Informationen über Stellungen der Terroristen zu teilen.

Im Pentagon sprach Kapitän Davis jedoch von einer «fehlerhaften Strategie» der Russen. Nach dem Gespräch auf militärischer Ebene von vergangenem Donnerstag sei bislang keine weitere Unterredung geplant.