Syrische Dörfer geraten trotz UN-Untersuchung unter Beschuss

Das Blutvergießen in Syrien geht trotz westlicher Drohungen mit einem Militärschlag unvermindert weiter.

Syrische Dörfer geraten trotz UN-Untersuchung unter Beschuss
Andrey Stenin Syrische Dörfer geraten trotz UN-Untersuchung unter Beschuss

Wenige Stunden nach der Abfahrt der Chemiewaffeninspekteure griffen Regierungstruppen die Ortschaften an, die das UN-Team besucht hatte. Verschiedene Revolutionsgruppen meldeten am Donnerstag, Samalka und Al-Mleiha im Osten von Damaskus seien in der Nacht mit Artillerie und Maschinengewehren beschossen worden.

Die Experten der Vereinten Nationen hatten in dem Gebiet am Mittwoch Bodenproben genommen und mit Überlebenden eines mutmaßlichen Giftgas-Angriffs gesprochen. Am Donnerstag kehrten die Experten an den Ort zurück, um weitere Proben zu nehmen. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution meldete Kämpfe an der Straße, die das Stadtzentrum von Damaskus mit dem internationalen Flughafen verbindet.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad schwor sein Volk auf den Widerstand gegen eine westliche Militärintervention ein. Das staatliche Fernsehen zitierte ihn am Donnerstag mit den Worten: «Syrien wird sich gegen jeden Angriff verteidigen.»

Unterdessen treten die Differenzen zwischen den verschiedenen Brigaden der Regimegegner immer stärker zutage. Eine Brigade, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteht, überfiel in der Provinz Al-Rakka einen Munitionstransport. Die für den Transport zuständige Rebellen-Brigade aus der Stadt Deir as-Saur drohte den anderen Regimegegnern jetzt mit einer «militärischen Lösung».

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, die Gruppe «Islamischer Staat im Irak und in Syrien» habe den Transport der Rebellen aus der Provinz Deir as-Saur am Montag überfallen. Dieser sei von zwei ehemaligen Offizieren begleitet worden. Die Islamisten hätten die zwei Deserteure gefangen genommen und sich die Munition unter den Nagel gerissen. Vermittlungsversuche verschiedener Rebellen seien erfolglos geblieben.

Auf die Folgen der von den USA und Großbritannien angedrohten Angriffe stellen sich auch die Nachbarstaaten Syriens ein. Der umstrittene irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki rief die im Parlament vertretenen Parteien auf, alle «kleinen internen Probleme» hintanzustellen. Sie sollten sich stattdessen auf die Herausforderungen konzentrieren, die durch ein Eingreifen in Syrien auf den Irak zukommen könnten.

An dem syrisch-türkischen Grenzübergang Kilis protestierten nach Berichten von Flüchtlingen Tausende Syrer, weil sie nicht in die Türkei eingelassen wurden. Jordanien richtet sich für den Fall eines Angriffs auf einen Massenansturm von Flüchtlingen aus Syrien ein.