Syrische FSA-Rebellen nach Kommandeursflucht in Auflösung

Der moderate Aufständischen-General Salim Idriss ist aus Syrien geflohen. Nach der Erstürmung seines Hauptquartiers durch die islamistische Konkurrenz wurde es für ihn lebensgefährlich. Der Westen verliert einen Verbündeten, den er nie richtig unterstützt hat.

Syrische FSA-Rebellen nach Kommandeursflucht in Auflösung
Julien Warnand Syrische FSA-Rebellen nach Kommandeursflucht in Auflösung

Idriss habe sich bereits am Sonntag über die Türkei in die katarische Hauptstadt Doha abgesetzt, berichtete das «Wall Street Journal» in seiner Online-Ausgabe in der Nacht zum Donnerstag. Beobachter werteten die Flucht des Top-Militärs als Zeichen der Auflösung der FSA. Washington und London stellten nach der Flucht von Idriss ihre Lieferungen von militärischen Ausrüstungen an die FSA umgehend ein.

Idriss sei geflohen, nachdem Milizionäre der rivalisierenden Islamischen Front sein Hauptquartier im syrischen Grenzort Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei gestürmt hatten, heißt es in dem Bericht, der sich auf nicht namentlich genannte US-Offizielle beruft. Die USA seien über die Entwicklung «schockiert».

Der FSA-Sprecher Luai al-Mokdad wollte telefonisch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa dazu nicht Stellung nehmen. Syrische Oppositionskreise bestätigten aber, dass sich Idriss aus dem Land abgesetzt hat, nachdem Lebensgefahr für ihn bestanden hätte. Bei der gleichzeitigen Erstürmung eines Waffenlagers in der Nähe des FSA-Hauptquartiers hätten Kämpfer der Islamischen Front und der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front «Tonnen von Munition» erbeutet.

Offiziell wurde die Einstellung der Lieferungen an die FSA durch die USA und Großbritannien zunächst mit der Erstürmung des FSA-Waffenlagers in Bab al-Hawa durch die islamistischen Milizen begründet. Humanitäre Hilfe sei von der Einstellung der FSA-Lieferungen nicht betroffen, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Die FSA wurde nach Beginn des Aufstandes gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad 2011 von Deserteuren gegründet. Sie steht auf nicht-religiöser Grundlage und ist bevorzugter Ansprechpartner des Westens unter den syrischen Rebellenkräften, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen.

Im September des Vorjahres hatte die Rebellenstreitkraft ihr Hauptquartier aus dem türkischen Grenzgebiet nach Bab al-Hawa verlegt. Ihre Kommandeure wollten damit untertstreichen, dass sie in der Lage seien, aus den von den Assad-Truppen «befreiten Gebieten» heraus zu operieren.

Doch in den vergangenen Monaten wuchsen rivalisierende islamistische Milizen zu immer gewichtigeren Konkurrenten heran. So entstand die Islamische Front im Vormonat als Zusammenschluss von sechs islamistischen Brigaden. Die Al-Kaida-nahe Milizen Al-Nusra-Front und ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien) gehören ihr nicht an.

Während die FSA von ihren westlichen Förderern fast nur sogenannte «nicht tödliche» Hilfe erhielt - das heißt Fertignahrung und Erste-Hilfe-Sets für die Front, aber keine Schusswaffen oder Raketen -, genossen die islamistischen Fraktionen großzügige Zuwendungen an Geld und Waffen aus der arabischen Golfregion.

Dies führte zu einem zunehmenden Bedeutungsverlust der FSA in ihren Kerngebieten in den nordsyrischen Provinzen Aleppo und Idlib. Ihre Kämpfer liefen in Scharen zu den mit höherem Sold und besseren Waffen lockenden islamistischen Milizen über. Die Erstürmung des FSA-Hauptquartiers durch die Islamische Front stand letztlich am Ende des Niedergangs einer Widerstandsarmee, die auf westliche Hilfe angewiesen war, welche sie aber nie in ausreichendem Maße erhielt.

Der 1957 geborene Idriss hatte in der ehemaligen DDR Elektrotechnik studiert. Als Brigadegeneral der syrischen Regime-Armee lief er im Juli des Vorjahres auf die Seite der Aufständischen über. Vor genau einem Jahr wählte ihn eine Konferenz von FSA-Vertretern und weltlichen Oppositionsgruppen zum Generalstabschef des Obersten Militärrates, des Kommandos der FSA. Idriss wandte sich in wiederholten Appellen an die westlichen Mächte, um eine bessere Ausstattung der FSA mit Geld und Waffen zu erreichen.