Taifun «Hagupit» wütet - bisher weniger Opfer als befürchtet

Der mächtige Taifun «Hagupit» hat auf den Philippinen zwar schwere Verwüstung angerichtet. Aber nach ersten Angaben der Behörden sind weitaus weniger Opfer zu befürchten als durch Taifun «Haiyan» vor einem Jahr.

Taifun «Hagupit» wütet - bisher weniger Opfer als befürchtet
Francis R. Malasig Taifun «Hagupit» wütet - bisher weniger Opfer als befürchtet

Damals kamen mehr als 7000 Menschen ums Leben. Eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrank nach Angaben des Katastrophenschutzes am Sonntag. Zwei Männer wurden verletzt, als ein umstürzender Baum ihr Moped traf.

Die Behörden meldeten zwei weitere Todesopfer, die aber nicht unmittelbar mit dem Taifun zu tun hatten. Darunter war ein Mädchen, das nach hohem Fieber in einem Notaufnahmelager starb. Nach einer ersten Übersicht zahlten sich die Massenevakuierungen aus.

«Die Vorbereitung auf den Sturm hat eindeutig Leben gerettet», sagte der Einsatzleiter des Kinderhilfswerks World Vision, Andrew Rosauer. Mehr als 700 000 Menschen waren geflohen, teils zu Verwandten im Landesinneren, teils in Notlager. «Die Notaufnahmelager in Tacloban sind voll, und man muss sich um die sanitäre Versorgung kümmern.»

In Lawaan auf der Insel Samar wurde mitten im Sturm in einem Notlager ein Mädchen geboren, berichtete ein Katastrophenhelfer dem Sender ABC-CBN. Die Eltern hätten das Kind Ruby genannt - so heißt der Taifun intern auf den Philippinen. Samar lag auch im vergangenen Jahr im Auge des Taifuns «Haiyan».

Millionen Menschen waren am Sonntag ohne Strom. Auf der Insel Samar, wo der Taifun in der Nacht auf Land traf, fielen teilweise die Mobilfunkverbindungen aus. Nach dem Durchzug des Taifuns waren zahlreiche Straßen durch entwurzelte Bäume oder umgeknickte Strommasten blockiert. In der vor einem Jahr schwer verwüsteten Stadt Tacloban wurden Bretterbuden umgerissen. Schutt lag in den Straßen. In vielen stand das Wasser knöchelhoch.

«Wir haben bislang keine Berichte über Todesopfer», sagte Bürgermeister Alfred Romualdez im Rundfunk. «Das Schlimmste scheint hinter uns zu liegen.» Am Nachmittag tobte der Wirbelsturm vor der Insel Masbate westlich von Samar. Weil der Taifun nur langsam weiterzieht, wird die Erde durch die Regenmassen besonders durchweicht.

«Meine größte Sorge sind Überschwemmungen, weil der Taifun sich so langsam bewegt», sagte der Gouverneur der Provinz Albay, Joey Salceda, im Fernsehen. «Es könnte am Vulkan Mayon zu Erdrutschen kommen.» Dort kamen 2006 mehr als 1200 Menschen ums Leben, nachdem sich nach heftigem Regen Erdmassen lösten und Dörfer unter sich begruben.

«Hagupit» bewegte sich nur langsam Richtung West-Nordwest und schwächte sich deutlich ab. Er traf am Samstagabend bei Dolores an der Ostküste der Insel Samar mit Windgeschwindigkeiten von 175 bis 210 Kilometern in der Stunde auf Land. Am Sonntagnachmittag waren es nach Angaben der Katastrophenbehörde noch 140 bis 170 Kilometer.

Die Behörden richteten ihr Augenmerk am Sonntag auf die Millionenmetropole Manila. Dort sollten die ersten Ausläufer in der Nacht zu Montag zu spüren sein. In der Stadt gibt es zahlreiche Slums mit notdürftig gebauten Verschlägen, die heftigen Winden und schweren Regenfällen nicht standhalten würden. Arbeiter hatten in den vergangenen Tagen bereits Schilder und Weihnachtsdekorationen abgebaut. Ein massiver Stromausfall würde das Wirtschaftszentrum des Landes zum Erliegen bringen.

Die Philippinen erleben jedes Jahr zahlreiche Taifune. «Haiyan» traf am 8. November 2013 ein und war der schwerste Taifun, der je Land erreicht hat: mit Windgeschwindigkeiten von 195 bis 210 Kilometern in der Stunde. «Hagupit» ist der mächtigste Taifun seit «Haiyan».