Taliban attackieren Gästehaus in Kabul

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban haben in Afghanistan den zweiten schweren Anschlag binnen weniger Tage verübt. Die Extremisten griffen am Abend ein internationales Gästehaus in der Hauptstadt Kabul an und lieferten sich erneut stundenlange Gefechte mit Sicherheitskräften.

Taliban attackieren Gästehaus in Kabul
Jawad Jalali Taliban attackieren Gästehaus in Kabul

Ersten Angaben zufolge starben mindestens vier Menschen, darunter zwei Taliban-Kämpfer. Wie viele Menschen sich während der Attacke in dem Gästehaus aufhielten, blieb zunächst unklar - ebenso die Zahl der Angreifer.

Erst am Dienstag und Mittwoch hatten Taliban-Kämpfer den zweitgrößten Flughafen des Landes in Kandahar attackiert. 61 Menschen waren gestorben, darunter die elf Angreifer.

Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums zündeten die Extremisten am Freitagabend zunächst eine Autobombe vor dem Tor des Gästehauses im zentralen Stadtteil Scherpur. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte über Twitter mit: «Selbstmordattentäter sind in ein Gästehaus ausländischer Besatzer eingedrungen.» Anwohner berichteten von stundenlangen Schüssen nach einer Explosion. Die Gegend wurde demnach abgeriegelt, afghanische Spezialkräfte rückten an.

Verwirrung gab es um das Ziel der Attacke. Das spanische Außenministerium erklärte, der Angriff habe der Botschaft des Landes gegolten. Später dementierte dies Ministerpräsident Mariano Rajoy. Die Botschaft arbeitet in Scherpur in mehreren Gebäuden, von denen einige auch als Gästehäuser dienen.

Ein Augenzeuge sagte, ein afghanischer Wachmann sei ums Leben gekommen. Rajoy teilte mit, ein spanischer Polizist sei tödlich verletzt worden. Der stellvertretende afghanische Innenminister Ajub Salangi gab nach fünfstündigem Einsatz gegen die Angreifer via Twitter bekannt, zwei Taliban seien getötet worden. Ein Krankenhaus am Rande Scherpurs schrieb bei Twitter, dort seien sieben verletzte Afghanen eingeliefert worden.

Wenige Stunden vor der Attacke hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani zu Friedensgesprächen mit den Taliban innerhalb weniger Wochen aufgerufen. Ghani hatte am Mittwoch in Pakistan mit Vertretern der USA, Chinas und Pakistans darüber beraten, wie man die Islamisten an den Verhandlungstisch zurückbringen könne. Die neue Welle der Gewalt wird von Analysten als Absage an dieses Angebot gewertet.