Tausende Türken demonstrieren in Köln für Erdogan

Gut zwei Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei haben Tausende überwiegend Deutschtürken in Köln für Präsident Recep Tayyip Erdogan demonstriert. Nach Angaben der Polizei versammelten sich bislang etwa 20 000 Teilnehmer auf einem Gelände im rechtsrheinischen Deutz.

Tausende Türken demonstrieren in Köln für Erdogan
Henning Kaiser Tausende Türken demonstrieren in Köln für Erdogan

Die Veranstalter erwarteten bis zu 30 000 Menschen. Zeitgleich gab es Gegendemonstrationen, darunter auch eine von Rechtsextremen. Diese marschierten entgegen ursprünglicher Planungen aber nicht in die Nähe der türkischen Veranstaltung. Insgesamt 2700 Polizeibeamte waren im Einsatz, auch Wasserwerfer standen bereit.

Thema der türkischen Kundgebung war der vereitelte Militärputsch in der Türkei vom 15. und 16. Juli. Zahlreiche Teilnehmer schwenkten türkische Flaggen oder trugen T-Shirts in den Nationalfarben. Zu der befürchteten Gewalt kam es zunächst nicht. «Die Lage ist relativ ruhig», sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies der Deutschen Presse-Agentur. In der Innenstadt sei es zu kleineren Reibereien zwischen Nationaltürken und Kurden gekommen.

Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des gescheiterten Militärputsches in der Türkei sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei. Am späteren Nachmittag wollte der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic nach Köln kommen, um zu den Demonstranten zu sprechen.

Unterdessen standen sich am Kölner Hauptbahnhof nach Polizeiangaben jeweils etwa 200 rechts- und linksgerichtete Demonstranten gegenüber, die von Einsatzkräften aber auseinandergehalten wurden. Ein von den Rechten - darunter die Splitterpartei Pro NRW - geplanter Zug durch die Stadt wurde nach einem Gespräch mit der Polizei abgesagt und auf eine Standkundgebung beschränkt. Insgesamt kamen zu den angemeldeten vier Gegenveranstaltungen weit weniger Menschen als erwartet.

Die türkische Kundgebung wurde maßgeblich von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) organisiert, die der AKP, der Partei des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, nahesteht. Eine von den Veranstaltern geplante Zuschaltung von Erdogan auf einer Großleinwand war angesichts der aufgeheizten Stimmung schon im Vorfeld verboten worden.

Der Sprecher Erdogans kritisierte das Verbot scharf. Das sei ein «inakzeptabler Zustand», erklärte Ibrahim Kalin nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag in Ankara. Man frage sich, was der «wahre Grund» dafür sei, dass die deutschen Behörden eine Ansprache Erdogans an seine Anhänger verhindere. Es sei auch inakzeptabel, dass die deutschen Behörden Demonstrationen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zuließen, eine «Demokratie-Veranstaltung» gegen den Putschversuch mit dem Hinweis auf die Sicherheitslage jedoch beargwöhnten, und zu verhindern versuchten, sagte Kalin. 

In einer bei der Kundgebung verlesenen Erklärung hieß es, man versammle sich, um für «Rechtsstaatlichkeit, Einheit, Frieden und Unabhängigkeit einzustehen». Die Erklärung haben laut UETD rund 100 Organisationen unterzeichnet, darunter auch der türkisch-islamische Dachverband Ditib und die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer. «Alle Staaten, Organisationen, Parteien und (...) Politiker der Welt» wurden aufgefordert, «solidarisch zum türkischen Volk» und der Regierung in Ankara zu stehen.

Seit dem Putschversuch Mitte Juli sind in der Türkei nach Regierungsangaben 18 000 Menschen festgenommen worden. Sie sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben, die von der Regierung für den Staatsstreich verantwortlich gemacht wird.