Taylor Swift lässt Musikdienst Spotify sitzen

Der Streaming-Dienst Spotify gilt entweder als Zukunft oder Totengräber des Musikgeschäfts, je nachdem, auf wen man hört.

Einige Künstler wie Thom Yorke von der Band Radiohead klagen, von den mageren Erlösen aus dem neuen Online-Geschäft könne man nicht überleben. Die Branche entgegnet, es sei ein Gegenentwurf zur ungezügelten Musikpiraterie der vergangenen Jahre - und immerhin tröpfelten so noch Einnahmen für alte Alben, die kaum gekauft würden. Jetzt heizt der Abgang von Mega-Star Taylor Swift die Diskussion neu an.

Nun weiß man nicht genau, warum die 24-jährige Amerikanerin Spotify den Rücken kehrt. Swift ließ zwar schon früher durchblicken, dass sie kein Freund des Spotify-Geschäftsmodells ist. In einem programmatischen Artikel zur Zukunft der Musik im «Wall Street Journal» stellte sie Streaming in eine Reihe mit Raubkopien als ein Faktor, der den Niedergang des Albums einläutetet.

Laut Medienberichten soll es schon vorher Streit zwischen Spotify und Swifts Management über Geld gegeben haben. Die aktuell gut verdienende Sängerin hat aber eigentlich keinen Grund, jetzt zur Tür hinauszustürmen. Nach Informationen aus der Branche könnte aber geschäftliches Kalkül dahinterstecken. So stehe das Musiklabel hinter Swift, Big Machine, zum Verkauf für bis zu 250 Millionen Dollar, berichtete das Fachmedium «Billboard». Möglicherweise sei die Hoffnung, dass im Windschatten des brandneuen Albums «1989» auch wie gewohnt das Interesse an den älteren Songs wieder anspringt und die Absatzzahlen einen höheren Kaufpreis für die Firma rechtfertigen.

Die Leidtragenden sind die Swift-Fans. Wenn sie unter den zehn Millionen zahlenden Kunden von Spotify sind, bekommen sie weniger für ihr Geld geboten und können ihre Playlisten mit den Songs der Musikerin in die Tonne treten. Spotify selbst wird damit zwar weniger attraktiv - mit den aktuellen Schlagzeilen rund um den Globus dürfte der Musikdienst aber ins Blickfeld vieler potenzieller Nutzer gerückt sein. Die Firma aus Stockholm reagierte auf Swifts Ausstieg wie ein untröstlicher Liebhaber auf das Ende einer Beziehung und flehte sie in einem verspielten Blogeintrag an, zu bleiben: «Das ist eine Liebesgeschichte, Baby. Sag einfach Ja.»

Im Hintergrund geht es um nichts Geringeres als die Zukunft der Musikbranche. Aktuell kommt der Großteil des Geldes für Musikfirmen und Künstler aus dem Verkauf von Downloads oder CDs. Selbst im besonders fortgeschrittenen US-Markt machten Streaming und Abo-Modelle im vergangenen Jahr erst ein Fünftel der Erlöse aus.

Der Trend ist aber eindeutig: Das Streaming-Modell, bei dem die Musik direkt aus dem Internet abgespielt wird, überzeugt immer mehr Nutzer. Für zehn Euro oder Dollar im Monat - den Preis eines Download-Albums - gibt es uneingeschränkten Zugang zu 20 oder 30 Millionen Songs.

Die Kehrseite für die Musikindustrie: Pro Song-Abruf fließen nach Schätzungen nur 0,6 bis 0,84 US-Cent. Das sei allerdings nur eine sehr ungenaue Rechnung, denn die Beträge könnten sich stark je nach Künstler und Album unterscheiden, schränken die Anbieter ein. Und auf lange Sicht sei es sogar das bessere Geschäft, verspricht der Spotify-Rivale Napster. «Wenn wir über einen Zeitraum von zehn Jahren nachrechnen, bin ich mir sicher, dass ein Künstler mit Streaming mehr verdient haben wird als mit CD-Verkäufen», sagt Europachef Thorsten Schliesche.

Aktuell scheint der Vormarsch der Abo-Angebote noch keine Lücke in die Gesamterlöse der Branche zu reißen. Im Gegenteil, der erschwingliche Preis und der Komfort, die Playlisten auf allen vernetzten Geräten zu haben, hielten vielen Nutzer von illegalen Angeboten im Netz ab, argumentieren Musik-Funktionäre. Auch jetzt ist es so, dass auch das neueste Swift-Album, das es noch gar nicht zu Spotify geschafft hatte, sich ohne großen Aufwand dutzendfach als Raubkopie im Netz finden lässt.