Team-Titel für Mercedes am Pech-Tag für Rosberg

Nico Rosberg durfte sich nach dem wohl wieder geplatzten Traum als Fahrer-Weltmeister wenigstens noch ein bisschen über den Team-Titel mit Mercedes freuen.

Team-Titel für Mercedes am Pech-Tag für Rosberg
Valdrin Xhemaj Team-Titel für Mercedes am Pech-Tag für Rosberg

Aus der Ferne hatte der vorzeitig ausgeschiedene Deutsche nur frustriert mitansehen können, wie sich sein erneut siegreicher Teamrivale Lewis Hamilton vom russischen Staatschef Wladimir Putin nach dem Großen Preis von Russland umarmen und küssen ließ. Etwa eine Stunde nach dem Triumph des Briten am Sonntag in Sotschi vor dem neuen WM-Zweiten Sebastian Vettel im Ferrari und Sergio Perez im Force India, machte dann aber eine nachträgliche Strafe gegen Vettel-Kollege Kimi Räikkönen den Gewinn der Konstrukteurswertung in der Formel 1 durch die Silberpfeile perfekt.

Die Rennkommissare belegten Räikkönen wegen eines Unfalls mit Williams-Konkurrent Valtteri Bottas mit einer Zeitstrafe von 30 Sekunden. Der Finne rutschte vom fünften auf den achten Platz zurück, Mercedes holte exakt die drei Punkte mehr als die Scuderia, die zum vorzeitigen Triumph nötig waren. «Was für ein fantastischer Moment für Mercedes-Benz», betonte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Vor einem Jahr hatte das deutsche Werksteam ebenfalls in Sotschi den Mannschafts-Titel eingefahren. Es ist nun der zweite für ein deutsches Team in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse.

Auf dem Weg zur Fahrer-WM ist Rosberg nach seinem Aus in der siebten Runde wegen eines gebrochenen Gaspedals aber so gut wie chancenlos. Hamilton kann im Optimalfall in zwei Wochen in den USA vorzeitig seinen dritten Titel nach 2008 und 2014 feiern, wenn er in Austin gewinnt und Vettel maximal Dritter wird. «Ich bin sehr stolz», sagte Hamilton in Sotschi nach der Wiederholung seines Vorjahressiegs im ehemaligen Olympia-Ort. «Eine Riesenenttäuschung», stöhnte dagegen Rosberg.

Nach dem vor allem in der Anfangsphase spannenden und ereignisreichen 15. WM-Lauf jubelte Hamilton über seinen neuen Saisonsieg. Zudem zog er mit nun insgesamt 42 Formel-1-Erfolgen mit Vettel gleich. «Ein Supertag für Lewis», urteilte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

In der WM-Wertung eilt der Titelverteidiger der Konkurrenz quasi uneinholbar davon. Hamilton weist mit 302 Punkten nun 66 Zähler Vorsprung vor dem neuen Gesamtzweiten Vettel (236) auf. Rosberg (229) fiel durch seinen Nuller auf Rang drei zurück.

Vettel hatte im Sotschi-Autodrom zu keinem Zeitpunkt eine Siegchance. «Es gab ein bisschen Hoffnung, dass ich den Lewis einholen kann, aber er hat wohl nicht das gezeigt, was er zeigen könnte», räumte der vierfache Weltmeister nach seinen aussichtslosen Aufholversuchen ein. Trotz der klaren Niederlage wirkte der Heppenheimer aber zufrieden: «Ein Superergebnis für uns. Ich habe mich pudelwohl gefühlt.»

Hamilton bewertete seinen nach dem Rosberg-Aus ungefährdeten Erfolg gelassen: «Es gab keinen Grund, Risiken zu gehen.» Die letzten fünf Runden habe er «nur noch genossen». Zugleich bedauerte der Brite den Ausfall seines Teamkollegen, auch wenn er persönlich im Titelkampf davon profitiert: «Es ist schade für das Team, dass wir ein Auto verloren haben.»

Für Rosberg endete das so gut begonnene Rennen niederschmetternd. «Wenn normale Sachen brechen, kann ich nicht Weltmeister werden», wies er frustriert auf ein gebrochenes Gaspedal als Grund für sein Ausscheiden in der neunten Runde auf dem 5,848 Kilometer langen Kurs hin. Zuvor war dem gebürtigen Wiesbadener ein prima Start gelungen. Im Gegensatz zum zurückliegenden Grand Prix in Suzuka und dem letztjährigen Russland-Rennen verteidigte er die Pole-Position gegen seinen hart attackierenden Teamkollegen.

Allerdings musste das Rennen Sekunden später neutralisiert werden. Nico Hülkenberg (Emmerich) drehte sich ohne Fremdverschulden und der Schwede Marcus Ericsson krachte in den Force India des Deutschen. «Meine Hinterreifen blockierten beim Anbremsen», sagte Hülkenberg nach seinem vierten Ausfall in den zurückliegenden sechs WM-Läufen.

Auch nach dem Neustart nach drei Runden hinter dem Safety Car verteidigte Rosberg die Führung gegen Hamilton. Aber wenig später klagte der Deutsche per Boxenfunk über ein «gebrochenes Gaspedal». Später sagte er sichtlich angefressen: «Das ist nicht lustig, das ist gefährlich.»

Der Mexikaner Sergio Perez holte als sensationeller Dritter den ersten Podestplatz für Force India in diesem Jahr. Er profitierte dabei vom harten Zweikampf in der Schlussrunde zwischen Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas. Williams-Pilot Bottas prallte dabei in die Reifenstapel.

In der 13. von 53 Runden sorgte ein spektakulärer Unfall von Romain Grosjean für einen früher Aufreger. Der Franzose krachte mit schätzungsweise 250 km/h in eine Streckenbarriere. Grosjean konnte aber aus dem demolierten Lotus steigen. Wieder musste das Safety Car ausrücken.