Teamräson für Hamilton und Rosberg in Abu Dhabi

Auch für das finale Duell in der Dämmerung zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg will Mercedes die Spielregeln nicht außer Kraft setzen.

«Der Kerl, der vorn ist, wird die beste Strategie bekommen, der andere dahinter die zweitbeste», sagte Weltmeister Hamilton vor dem letzten Formel-1-Saisonrennen in Abu Dhabi. Das Mienenspiel des Briten verriet, dass er sich für die nur noch statistisch bedeutende Ehrenrunde etwas anderes gewünscht hatte. Nach zuletzt zwei Siegen von Rosberg hat Hamilton genug und würde für seine Schlussattacke wohl am liebsten auch die Teamräson vergessen.

«Ich glaube, Spaß macht ihm das gerade nicht», sagte Rosberg mit einem Grinsen. Auch wenn die Entscheidung in der WM schon seit Wochen zugunsten von Hamilton gefallen ist, bleibt das Klima zwischen den beiden Silberpfeil-Rivalen frostig. Und Rosberg will die Politik der Nadelstiche am Wochenende fortsetzen, der dritte Erfolg nacheinander wäre ein versöhnlicher Abschied in die Winterpause.

Eine echte Erklärung für die Trendwende der vergangenen Wochen mag indes keiner der Mercedes-Piloten liefern. Hat Hamilton die Dinge nach dem vorzeitigen Titelgewinn schleifen lassen? «Das werden wir wohl nie wirklich wissen, aber es war sicher nicht meine Absicht», schrieb Hamilton in seiner Kolumne für die BBC. Oder helfen Rosberg doch ein paar entscheidende Veränderungen am Auto? «Arbeit steckt schon dahinter», ließ der Deutsche wolkig wissen.

Im Grand Prix am Sonntag dürfte es erneut auf einen Zweikampf zwischen den Mercedes-Fahrern hinauslaufen. Der WM-Dritte Sebastian Vettel, mit drei Siegen erfolgreichster Pilot in Abu Dhabi, ist klarer Außenseiter. Elf Doppelerfolge gelangen den Silberpfeil-Stars in diesem Jahr schon, zwölf wären Rekord. Sowohl Hamilton wie auch Rosberg könnten sich darüber aber wohl nur freuen, wenn sie die Bestmarke als Erster im Ziel feiern dürfen.

Dieser Hunger nach noch mehr Siegen trieb Hamilton zuletzt in Brasilien zur Forderung, er wolle bei der Jagd auf den führenden Rosberg seine eigene Taktik wählen und nicht mehr den Vorgaben von der Box folgen müssen. «Wir sollten uns nicht so sehr auf die Strategie verlassen müssen, es sollte mehr um die Fahrkünste auf der Strecke gehen», erklärte der 30-Jährige nun vor dem Gastspiel auf dem Yas Marina Circuit. Dass Hamilton seine Fahrkünste höher als die von Rosberg einschätzt, ist die unverhohlene Botschaft dahinter.

Sein deutscher Stallgefährte sieht es natürlich anders. «Wir treiben uns gegenseitig auf ein enorm hohes Level», urteilte der gebürtige Wiesbadener. «Es war vorher auch eng, jetzt geht es in die andere Richtung und ich bin vorn.»

Das Herbst-Hoch tröstete den Jungvater auch über die zweite Niederlage gegen Hamilton im Titelrennen hinweg, auch wenn Kritiker darauf hinweisen, Rosberg sei erst erstarkt, als es um nichts mehr ging. Um das Gegenteil zu beweisen, würde Rosberg am liebsten die Winterpause ausfallen lassen. «Wir können gleich das nächste Jahr anfangen», sagte er.