Teatime vorm Tourauftakt: Take That in Hamburg gefeiert

Es herrscht umtriebige Geschäftigkeit im Backstage-Bereich bei Take That. In einer Stunde wird die britische Popband auf der Bühne der Barclaycard Arena in Hamburg ihre Deutschland-Tour eröffnen.

Gary Barlow (44) macht sich mit ein paar Stretch-Übungen warm. Mark Owen (43) setzt derweil einen Kamillentee auf, den er später mit Honig veredeln wird. Howard Donald (47) macht Späße. Zum ersten Mal sind Take That als Trio auf Europatour, nachdem im vergangenen Jahr Jason Orange die Band verlassen hat und Robbie Williams sich wieder seiner Solokarriere widmet.

Doch die verbliebenen Mitglieder haben sich längst an diesen Umstand gewöhnt. «Wir haben 44 ausverkaufte Arenen-Shows in Großbritannien gespielt», erklärt Barlow. «Die Konzerte haben uns in den Groove gebracht. Für uns fühlt es sich heute nicht mehr danach an, dass irgendetwas fehlt.» Allerdings stehen sie noch im ständigen Kontakt mit den zwei Abtrünnigen: «Jason schickt uns oft Nachrichten, beispielsweise wenn er uns im Fernsehen gesehen hat. Robbie hat uns auf der England-Tour besucht, und wir hatten Spaß wie in alten Zeiten», erzählt Owen.

Ihre Deutschlandtour mit insgesamt fünf Konzerten bis zum 11. Oktober ist ein aufwendiges Spektakel für Augen und Ohren. «Take That stehen für großartige Livekonzerte, das wird auch unser Fokus in den nächsten Jahren sein», so Barlow. «Wir sind stolz darauf, deshalb wollten wir die aktuelle Show auch unbedingt auf dem europäischen Festland zeigen.»

Es ist nicht weniger als ein Triumph, den Take That am Freitagabend in Hamburg einfahren. 10 000 Fans springen von den Sitzen und jubeln, als das Trio auf einer Plattform aus dem Bühnenboden in die Halle gehievt wird. Die drei sehen in ihren bunten Anzügen aus, als wären sie aus einer Bonbontüte gepurzelt. Sie laufen über den kreisförmigen Steg, der weit bis in die Hallenmitte hineinragt, und animieren die Massen.

Neben den vielen Hits wie «Back For Good» oder «Patience», die Take That seit ihrer Gründung im Jahr 1990 in Manchester angesammelt haben, spielen sie auch einige Songs ihres aktuellen Albums «III». Bei der neuen Ballade «Flaws» führen Donald und Owen in zerrissenen, weißen Unterhemden einen poetischen Contemporary-Tanz auf, während Barlow dazu singt. «Es ist ein intimer Moment und höchst emotional», reflektiert Donald. «Es ist eine komplett andere Art von Tanz, als wir jemals gemacht haben. Die Idee dazu kam mir durch das Video zu Marks Solo-Song 'Carnival', in dem er auch tanzt.»

In einer anderen Szene der Show stehen die drei in weißen, langen Kutten wie Roboter hinter Keyboard und Trommel, während hinter ihnen grüne Animationen über die drei XL-Leinwände flimmern. Das Ganze wirkt wie eine Hommage an Kraftwerk. «Auf jeden Fall waren Kraftwerk dafür die Inspiration», so Donald. Und Owen ergänzt: «Kraftwerk waren immer ein Einfluss für Take That. Wir haben schon als Teenager zu ihrem Song 'Tour de France' Breakdance getanzt.»

Bei «Relight My Fire» schießen Flammenwerfer aus dem Boden und die vielen Tänzer sorgen in ihren roten Teufelskostümen für den Hingucker. Früher war mehr Lametta? Nicht bei Take That. Denn die drei Herren tragen nun Outfits mit goldenen, herunterhängenden Streifen, die auch jedem Christbaum gut stünden. Aber es ist auch die richtige Mischung aus Entertainment und Musikalität, die die Band heutzutage ausmacht.

Zu «Pray» tanzen sie unter dem Gekreische der Fans noch einmal Pirouetten wie zu ihren Boyband-Zeiten und amüsieren sich selbst darüber. Zur Ballade «Rule The World» halten alle ihre Handys zu einem Lichtermeer in die Luft. In der Zugabe bringen die in Uniform gehüllten Bandmitglieder den Song «Shine» - Mark Owen zieht dafür die langen Flügel eines grauen Drachen hinter sich her, dessen Tuch die vorderen Reihen unter sich verdeckt. Mit «Never Forget» verabschieden sich Take That unter frenetischem Applaus von den Hamburgern.

Und wie geht es mit Take That nach der Tour weiter? «Wir werden im nächsten Jahr ein neues Album veröffentlichen, fünf Songs haben wir dafür schon geschrieben», meint Barlow. «Und dann wollen wir mit einer kleineren Show, mit der man besser reisen kann, auch in Ländern spielen, in denen wir bisher noch nicht waren.»

Barlow, der die Musik zum Peter-Pan-Musical «Finding Neverland» geschrieben hat, das seit März am New Yorker Broadway gezeigt wird, und mit «The Girls» im Januar das nächste Musiktheater-Stück auf den Weg bringt, hat auch diesbezüglich noch einiges vor: «Ein Take-That-Musical wäre der nächste logische Schritt. Bisher gibt es zwar noch keine konkreten Pläne. Aber irgendwann wird es solch ein Musical geben.»

Weitere Tourdaten in Deutschland: Köln (4.10.), München (5.10.), Berlin (8.10.), Stuttgart (11.10.)