Telekom-Firmen setzen auf Service für vernetzte Wirtschaft

Die Telekom-Unternehmen wollen sich als Dienstleister für die vernetzte Wirtschaft eine neue Schlüsselrolle sichern. Die Deutsche Telekom kündigte auf der IT-Messe CeBIT in Hannover ein ambitioniertes Programm an, das alle Aspekte der Digitalisierung abdecken soll.

So will sie über ein Bündnis mit dem Software-Konzern SAP mehr Gewicht bei Standards für die Digitalisierung der Industrie bekommen. Plattformen für Maschinen-Vernetzung und Daten-Auswertung sollen den Telekom-Riesen zur Anlaufstelle für den Mittelstand machen.

Der Konkurrent Vodafone sieht sich bereits als Weltmarktführer. «Wir haben die Marke von 20 Millionen vernetzten Maschinen durchbrochen», sagte Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum in Hannover. Insbesondere in der Autobranche sei die Position stark: BMW, VW, Audi, Porsche - und jetzt auch Daimler setzten in ihren vernetzten Fahrzeuge auf das Vodafone-Netz. «Wir werden in den nächsten Jahren das industrielle Internet bauen und damit ein Tor für ganz neue Wertschöpfungsketten aufstoßen.» Zum Jahr 2020 rechnen Experten mit bis zu 50 Milliarden vernetzten Geräten von Industriemaschinen bis hin zu Zahnbürsten.

Die Telekom will in allen Bereichen mitspielen. «Wir wollen, dass Deutschland - und besser noch Europa - mit einer Stimme spricht, wenn es um Standards für das Industrie-Internet geht», sagte der Chef der Dienstleistungstochter T-Systems, Reinhard Clemens, am Sonntag zum Auftakt der Messe. Das Konsortium mit SAP stehe anderen Unternehmen offen. Weltweit - und auch in Deutschland - gibt es bereits mehrere Gruppen, die Standards für die Vernetzung beeinflussen wollen.

Insgesamt gebe es bei der Digitalisierung fünf zentrale Punkte: Standards setzen, Plattformen bauen, Daten analysieren, Sicherheit bieten, Konnektivität über die Netze herstellen.

Deutsche Unternehmen seien heute beim Maschinen- und Anlagenbau an vielen Stellen Weltmarktführer, sagte Clemens. Experten warnen aber schon lange, dass diese Führungsposition mit der voranschreitenden Digitalisierung in Frage gestellt werden könnte. Mit der Vernetzung von Maschinen und Geräten werden Dienste auf Grundlage der erhobenen Daten immer wichtiger.

Die Telekom will als Plattform für die vernetzte Technik eine «Cloud der Dinge» anbieten. Zunächst seien damit nur Fahrzeuge verbunden worden, sagte Clemens. Jetzt werde auch die Anbindung aller möglichen Alltagsgegenstände vom Fahrrad bis zum Koffer angeboten. Für den Mittelstand soll es ein «Industrie-4.0-Paket» geben, mit dem Betriebe ihre Maschinen schnell vernetzen und die Fertigung überwachen können.

Bei Privatkunden sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen will die Telekom zudem mit einem kostenlosen Software-Sicherheitspaket punkten. Dazu gehören unter anderem ein Antiviren-Programm sowie eine Anwendung für verschlüsselte Internet-Verbindungen über sogenannte VPN-Tunnel. Die Telekom-Tochter Strato steuert eine Online-Festplatte bei. Das Softwarepaket soll im zweiten Quartal heruntergeladen werden können. Eine Bezahlversion mit mehr Funktionen sei ebenfalls geplant.

Vodafone will mit E-Mail-Verschlüsselung vom Sicherheits-Bedürfnis der Unternehmen profitieren. Dabei sollen Nachrichten auf allen Geräten wie Notebooks, Smartphones oder Tablet-Computer komplett geschützt werden. «Die «Secure E-Mail» ist wie ein Geldtransporter», sagte der Geschäftsführer Firmenkunden, Philip Lacor. Zusammen mit dem Verschlüsselungsspezialisten Secusmart bietet Vodafone bereits eine App für das sichere Telefonieren über das Smartphone an.