Telekom stopft Löcher im US-Mobilfunknetz

Die Deutsche Telekom greift auf dem wichtigen US-Mobilfunkmarkt mit aller Gewalt an. Die Tochter T-Mobile US will mit einem rund 3,3 Milliarden Dollar (2,4 Mrd Euro) schweren Zukauf von Sendefrequenzen den Empfang verbessern und die Bandbreite für die datenhungrigen Smartphones erhöhen.

Das Unternehmen ist der viertgrößte Mobilfunk-Anbieter in den Vereinigten Staaten. T-Mobile US übernehme vom Marktführer Verizon Wireless «Frequenzen im unteren Bereich in vielen der amerikanischen Topmärkte», erklärte Firmenchef John Legere am Montag am Sitz in Bellevue im Bundesstaat Washington. Die gekauften Lizenzen für die Frequenzen im Bereich von 700 Megahertz ermöglichen eine größere technische Reichweite; sie erhöhen damit unter anderem den Empfang im ländlichen Raum und innerhalb von Gebäuden.

Die Telekom hat ihre US-Tochter nach einem lange anhaltenden Kundenschwund komplett neu aufgestellt: T-Mobile US hat im vergangenen Jahr den Regionalanbieter MetroPCS geschluckt und versucht seitdem, durch neue Tarife und einen Ausbau des bislang löchrigen Netzes zu den Rivalen aufzuschließen. Mit Erfolg: Zuletzt konnte T-Mobile US die Zahl der Kunden um mehr als eine Million auf gut 45 Millionen steigern.

Erst im November hatte sich T-Mobile US am Kapitalmarkt frisches Geld für den Netzausbau besorgt. Das Unternehmen zahlt Verizon nun knapp 2,4 Milliarden Dollar in bar und legt noch eigene Frequenzlizenzen im Wert von 950 Millionen Dollar oben drauf. Das Geschäft soll bis zur Jahresmitte abgeschlossen sein, sofern die Behörden zustimmen.

Die Deutsche Telekom hatte ursprünglich versucht, ihre Tochter an den zweitgrößten US-Mobilfunkanbieter AT&T zu verkaufen. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter im Land das Geschäft untersagt, weil sie steigende Preise fürchteten. T-Mobile US ist nun selbst an der Börse notiert. Die Telekom hält nach früheren Anhaben 67,5 Prozent der Anteile.

Gerüchten zufolge hat der japanische Kommunikationskonzern Softbank jedoch ein Auge auf T-Mobile US geworfen. Ihm gehört bereits der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint. Auch der amerikanische Satellitenfernseh-Betreiber Dish soll Interesse gezeigt haben. Unklar ist, wie offen die Wettbewerbshüter einem solchen Geschäft gegenüber stünden.