Terror-Angst in Hannover: Schreckenstag statt Länderspiel

Joachim Löw wollte mit seinen Fußball-Weltmeistern ein Zeichen für Freiheit und Demokratie setzen. Kurz vor dem Stadion in Hannover stoppte die Polizei den Mannschaftsbus - die Schatten des Terrors von Paris waren am Dienstagabend endgültig auch nach Deutschland gezogen.

90 Minuten vor dem ohnehin sportlich längst wertlos gewordenen Testspiel gegen die Niederlande sagte die Polizei die Partie wegen der Warnung vor einem möglichen Anschlag ab. Schon am frühen Abend hatte ein verdächtiger Gegenstand kurz für Aufregung gesorgt, der Bereich rund ums Stadion wurde kurzzeitig abgesperrt. Noch einmal gab es Entwarnung, es war wohl ein herrenloser Koffer. Das klang nach Polizei-Alltag an einem ansonsten sehr angespannten Tag. Wenig später war alles anders.

Polizisten raunten Fans und Reportern zu, das Spiel sei abgesagt. Kurz darauf wurden die Zuschauer auch per Lautsprecher-Durchsagen informiert: «Meine Damen und Herren, meine liebe Fußballfreunde, es tut mir leid, aber das Spiel ist kurzfristig abgesagt worden. Bleiben Sie bitte ruhig! Es ist keine Gefahr im Anmarsch oder sonst irgendwas. Gehen sie einfach ganz normal nach Hause!»

Das ohnehin noch ziemlich leere Stadion wurde geräumt, Panik gab es nicht. Mehrere dunkle Limousinen mit vermutlich hochrangigen Gästen, die gerade erst vorgefahren waren, fuhren umgehend mit Blaulicht wieder davon. Auch der stadionnahe U-Bahnhof mit dem Namen «Waterloo» war bald gesperrt. Zum Quartier des Deutschen Fußball-Bunds ließen die Sicherheitskräfte nur noch Hotelgäste durch.

«Wir sind an einem sicheren Ort», teilte der Sprecher der Nationalmannschaft dann noch mit. Eine Botschaft, die so wohl noch vor wenigen Tagen niemand auf dem sonst lustig blubbernden Twitter-Konto von Deutschlands Lieblingself erwartet hatte.

Vier Tage nach den Attacken in Frankreichs Hauptstadt war Hannover schon lange eine Hochsicherheitszone. Dass sich auch Kanzlerin Angela Merkel und viele Bundesminister als Tribünengäste angesagt hatten, erhöhte die Anspannung der Sicherheitskräfte. «Es wird die größtmögliche Sicherheit für die Zuschauer und Mannschaften garantiert», hatte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff versprochen.

Von ausgelassener Stimmung rund um die Arena war jedoch am Dienstag schon lange vor den schockierenden Meldungen nichts zu spüren. Statt fröhlicher Fan-Gesänge von Anhängern der DFB-Elf und der Oranjes dominierten Polizisten das Stadtbild. Im tristen Novemberregen bekannten viele Fans, dass sie sich mit einem unguten Gefühl auf den Weg zur Arena gemacht hatten. «Das ist traurig, aber ich lasse mir vom IS-Terror das Leben nicht versauen», sagte ein Fan aus Lüneburg.

Den Terror hatte das Team in Paris selbst miterlebt. Nach den Attacken von Selbstmordattentätern vor dem Stade de France beim Spiel gegen Frankreich verbrachten die Löw-Schützlinge eine Nacht voller Angst im Stadion. Erst am Sonntagnachmittag stand fest, dass die Weltmeister trotzdem zu ihrem letzten Spiel des Jahres gegen die Niederländer antreten würden. «Ein klares Symbol für Freiheit und Demokratie» sollte die Partie sein, wünschte sich der Bundestrainer.