Terrorexperte: Ziel und Zeitpunkt perfide gewählt

Der Terrorexperte Rolf Tophoven sieht in dem Anschlag von Nizza klare Strategien und wiederkehrende Muster. Der Zeitpunkt des Anschlags sei «kalkuliert und perfide gewählt», sagte Tophoven der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Terrorexperte: Ziel und Zeitpunkt perfide gewählt
Andreas Gebert Terrorexperte: Ziel und Zeitpunkt perfide gewählt

Mit dem Fest zum Nationalfeiertag habe der Täter ein Symbol der Franzosen getroffen. Und wieder einmal habe sich die Attacke gegen feiernde Menschen gerichtet.

Ziel solcher Anschläge sei es, Freiräume in der Gesellschaft immer mehr einzuschränken. Der Täter habe zudem einen «Überraschungsmoment» genutzt, nachdem ein größerer Anschlag während der Fußball-EM in Frankreich ausgeblieben sei und das Land den Ausnahmezustand gerade erst wieder habe beenden wollen.

Zu der Tatsache, dass der Angreifer einen Laster nutzte, sagte Tophoven: «Das Instrumentarium des Terrors weitet sich aus. Es werden alle Mittel benutzt, um 'Ungläubige' anzugreifen.» Die Führung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe mehrfach dazu aufgerufen, «Ungläubige» mit allen Mitteln zu attackieren.

Tophoven betonte, die Hintergründe der Tat seien zwar noch unklar. «Der Modus Operandi und das Profil des Anschlags würde eine Nähe zum IS aber nicht ausschließen.» Es sei möglich, dass sich der Täter durch die Ideologie des IS inspiriert gefühlt habe. Falls es sich um einen Einzeltäter handele, der sich im Stillen selbst radikalisiert habe, sei es generell schwierig, so jemanden vorher zu erkennen und zu stoppen. «Gegen solche Tätertypen haben wir kaum eine Chance.»

Bei dem Attentat am Donnerstagabend war ein Mann in Nizza mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge gerast. Dabei starben mindestens 84 Menschen.