Terrorwarnung in München: Was wir wissen - und was nicht

Nach der akuten Terrorwarnung für München am Silvesterabend bleibt die Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt in Alarmbereitschaft. Die Fahndung nach den möglichen Attentätern läuft, aber es sind noch viele Fragen offen.

Terrorwarnung in München: Was wir wissen - und was nicht
Sven Hoppe Terrorwarnung in München: Was wir wissen - und was nicht

WAS WIR WISSEN:

- WARNUNG: Am Silvesterabend erhalten die Sicherheitsbehörden in München vom Bundeskriminalamt (BKA) einen Hinweis auf bevorstehende Attentate. Demnach planen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um Mitternacht Selbstmordanschläge am Hauptbahnhof und/oder im Bahnhof von Pasing im Westen Münchens. Beide Bahnhöfe werden daraufhin geräumt. Rund 550 Polizisten sind in der Silvesternacht im Einsatz. Am Neujahrstag werden einige Beamte wieder abgezogen, es sind aber weiterhin noch etwa 100 Einsatzkräfte zusätzlich im Dienst.

- TERRORISTEN: Dem Hinweis zufolge geht es um fünf bis sieben potenzielle Attentäter, die aus Syrien und dem Irak stammen sollen. Unter ihnen sollen Selbstmordattentäter sowie Helfer gewesen sein. Von etwa der Hälfte der Verdächtigen wurden Personalien übermittelt, wie Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä erklärte. Er betonte aber, dass noch unklar sei, ob es diese Personen auch tatsächlich gebe. Die Ermittlungen dazu liefen noch. Festnahmen gab es bislang nicht.

- GEHEIMDIENSTE: Die «dringende Warnung» an Silvester erhielt das BKA nach Angaben der Münchner Polizei vom französischen Geheimdienst. Nach dpa-Informationen kam ein früher Hinweis vor ein paar Tagen aus den USA. Den deutschen Sicherheitsbehörden lagen auch aus dem Geheimdienstbereich detaillierte Informationen zu Namen, Orten und einem möglichen Tatablauf vor. Eine konkrete Warnung für die Silvesternacht sei dann an Silvester aus Paris übermittelt worden.

- ANSCHLAGSPLÄNE: Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gab es Hinweise auf ein Anschlagsszenario wie Mitte November in Paris. Dort hatten mehrere Attentäter mit Maschinenpistolen und Sprengstoff an verschiedenen Orten zugeschlagen und insgesamt 130 Menschen getötet.

- SICHERHEITSLAGE: Am Tag nach dem Terroralarm gab es in München nach den Worten des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann keine ganz konkrete Anschlagsgefahr mehr. Die Sicherheitslage sei nun nicht viel anders als zuletzt nach den Attentaten in Paris von Mitte November.

- NACHAHMER: Die Terrorwarnung in der Silvesternacht hat auch sogenannte Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen. Polizeipräsident Andrä sprach auf einer Pressekonferenz am Freitag von zwei Personen, die mit Bombenanschlägen gedroht hätten. Er warnte vor schweren Konsequenzen. Nachahmer müssten sich «warm anziehen».

WAS WIR NICHT WISSEN:

- TERRORISTEN: Es ist noch völlig unklar, ob es die genannten potenziellen Attentäter überhaupt gibt. Ausgeschlossen werden könne das aber nicht, betonte Polizeipräsident Andrä. Es sei auch nicht bekannt, ob die möglichen Verdächtigen sich tatsächlich in München oder Deutschland aufhielten. Keiner von ihnen habe bislang lokalisiert werden können. Das gelte selbst für die namentlich genannten Verdächtigen. Laut Bayerischem Rundfunk sollen sich die Verdächtigen zu Silvester in München aufgehalten haben.

- ANSCHLAGSPLÄNE: Unklar ist, wie die möglichen Anschläge genau ausgeführt werden sollten. Es sei nicht bekannt, ob die potenziellen Attentäter sich alle selbst beteiligt hätten oder ob es unter ihnen auch bloße Helfer gegeben hätte, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Nach BR-Informationen war geplant, dass sich die Männer zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen. «Bild.de» schreibt, nach einem Szenario sei das zweite Attentat geplant gewesen, wenn die Rettungskräfte am Ort sind.