Teurere Lebensmittel treiben Inflation in die Höhe

Ob Gemüse, Obst oder Butter: Beim Einkauf müssen Verbraucher in Deutschland für ihre Nahrungsmittel deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr. Die höheren Lebensmittelpreise trieben die Inflationsrate im Juli auf den höchsten Stand seit Dezember 2012.

Die Jahresinflationsrate stieg von 1,8 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit und bestätigte eine erste Schätzung.

Die Teuerung ist damit auf die höchste Rate des Jahres geklettert und befindet sich jetzt wieder in der Nähe der Warnschwelle von knapp 2,0 Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) ein stabiles Preisniveau gewahrt sieht. Im Vergleich zum Juni legten die Verbraucherpreise ebenfalls wie zunächst berechnet um 0,5 Prozent zu.

Nachdem die Teuerung zu Jahresbeginn über Monate sank und im April auf dem Tiefstand von 1,2 Prozent landete, zog sie im Mai erstmals wieder auf 1,5 Prozent an. Haupttreiber des Anstiegs sind die Preiserhöhungen bei Lebensmitteln, die sich im Juli weiter beschleunigten. Mit einem Plus von 5,7 Prozent binnen Jahresfrist waren sie im Juli 2013 so hoch wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr (September 2008: + 6,5 Prozent).

Dabei müssen Verbraucher für Lebensmittel von Obst über Gemüse und Milch bis zum Fleisch deutlich mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Spürbar teurer wurden etwa Butter (plus 30,8 Prozent), Kartoffeln (plus 44,4 Prozent), Äpfel (plus 22,3 Prozent) oder H-Milch (plus 18,2 Prozent).

Auch die Preise für Eier (plus 7,1 Prozent) und Fleisch und Fleischwaren (plus 4,4 Prozent) stiegen weitaus schneller als die Verbraucherpreise insgesamt.

«Vermutlich treibt der kalte Winter die Nahrungsmittelpreise weiter nach oben. Hinzu kommen die Hochwasser in Teilen Deutschlands», erklärt Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank. Auch Missernten und Schwankungen am Weltmarkt dürften eine Rolle spielen. Sobald sich die Entwicklung bei den Nahrungsmittelpreisen normalisiere, dürfte auch die Inflation wieder fallen, prognostiziert der Ökonom.

Weniger deutlich aber immer noch überdurchschnittlich steigen weiterhin auch die Energiepreise, die sich binnen Jahresfrist um 2,9 Prozent erhöhten. Das lag wie in den Vormonaten vor allem am Strom, der im Zuge der Energiewende im Juli 11,9 Prozent teurer war als im Vorjahresmonat. Hingegen war leichtes Heizöl (minus 3,6 Prozent) günstiger als vor einem Jahr, die Kraftstoffpreise blieben nahezu unverändert (minus 0,1 Prozent).

Zudem dürfte die verspätete Weitergabe der Tabaksteuererhöhung zum Jahresbeginn 2013 für die Verteuerung von Tabak (plus 5,2 Prozent) und Zigaretten (plus 3,6 Prozent) verantwortlich sein. Und: Die Preiserhöhung für die Spieleinsätze beim Lotto «6 aus 49» im Mai sorgte für einen deutlichen Preisanstieg bei Glücksspielen um 21,1 Prozent. Deutlich höher als in Deutschland liegt schon seit längerem die Inflationsrate in Großbritannien. Die jährliche Inflationsrate sank dort im Juli von 2,9 Prozent im Juni auf 2,8 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde mitteilte. Im Euro-Krisenland Spanien hat sich die für europäische Zwecke harmonisierte Teuerungsrate (HVPI) von 2,2 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent abgeschwächt, wie das nationale Statistik-Institut INE in Madrid berichtete.