«The Normal One»: Klopp genießt Neustart in Liverpool

Jürgen Klopp entschuldigte sich erstmal für sein Englisch, ehe er sich selbst gleich den Spitznamen für seine Zeit auf der Insel beim «geilen Club» FC Liverpool verpasste.

«The Normal One»: Klopp genießt Neustart in Liverpool
Phil Richards «The Normal One»: Klopp genießt Neustart in Liverpool

«I am the Normal One», sagte Klopp mit einem Grinsen und hatte die Lacher der zahlreichen Journalisten auf seiner Seite. «Ich komme aus dem Schwarzwald, ich bin ein Durchschnittstyp», betonte der 48-Jährige bei seiner ersten, rund 30-minütigen Pressekonferenz als neuer Trainer des britischen Traditionsvereins.

Am Vorabend war sein seit Wochenbeginn erwartetes Engagement bei den «Reds» besiegelt worden. «Ich bin überzeugt, dass jetzt die Zeit für den Neustart gekommen ist», sagte Klopp in der Pressekonferenz und sprach vom «perfekten Moment». Er trug zur Pk schwarzes Hemd und schwarzes Sakko, hatte sich zuvor bereits für den Verein im Shirt mit dem Logo der Liverpooler interviewen lassen. Und auch hier wurden Begeisterung, Vorfreude und positive Anspannung deutlich.

Auf die Frage, ob es eine leichte Entscheidung gewesen sei, entgegnete Klopp nach einem herzhaften Lachen: «Es war nicht die schwerste Entscheidung.» Er versprach den Fans von der legendären Anfield Road das, wofür er bei seinen Stationen in Deutschland auch stand. «Ich glaube an einen Fußball, der sehr emotional ist, sehr schnell und sehr kraftvoll. Meine Mannschaften müssen Vollgas spielen und in jedem einzelnen Spiel ans Limit gehen.»

Fußball mit Tempo, Fußball mit Emotionen. «Es ist die großartigste Stimmung, die man sich wünschen kann in diesem Stadion», lobte Klopp, der mit Borussia Dortmund im Sommer 2014 ein Testspiel bei den «Reds» absolviert und verloren hatte.

Das damals publik gewordene Bild, als Klopp ein Schild in den Katakomben abklatschte, stellte er nun bereitwillig nach. Auf Twitter schrieb der Verein stolz: «Jürgen Klopp berührt das 'This is Anfield'-Schild zum ersten Mal als LFC-Trainer.»

Es sei wie im Traum, gab Klopp zu. Eigentlich sei er davon ausgegangen, noch bis Juni nächsten Jahres seinen Urlaub genießen zu können. Nach rund vier Monaten sei er nun aber zurück im Rennen. «Ich bin bestens vorbereitet, ich bin entspannt und erholt», erklärte Klopp. Er weiß aber auch um die Schwere der Aufgabe beim derzeitigen Tabellenzehnten. Die Erwartungen an den ehemaligen Meistertrainer des BVB sind enorm.

Momentan sei niemand in Liverpool zufrieden, meinte Klopp. Man erwarte in Liverpool richtig große Schritte. «Es ist derzeit vielleicht die größte Herausforderung im Weltfußball», behauptete er. Angesichts von zahlreichen Verpflichtungen und großen Ausgaben in den vergangenen Monaten rief er gut gelaunt, aber auch sichtlich entschlossen dazu auf: «Vergessen wir das Geld und alle Investitionen, wir denken jetzt über den Fußball nach.»

Bis zur ersten Bewährungsprobe hat Klopp nun ein wenig Zeit, allerdings stehen ihm Nationalspieler wie der Deutsche Emre Can vorerst wegen der EM-Qualifikation noch nicht zur Verfügung. Am 17. Oktober ist es dann aber soweit: Der FC Liverpool tritt mit seinem neuen Trainer bei Tottenham Hotspur an. Danach folgt am 22. Oktober das erste Heimspiel für Klopp. Der Gegner: Rubin Kasan, der Wettbewerb: Europa League.

Am Ende dieser Saison will der FCL aber wieder in die Champions League und mittelfristig noch mehr. «Im Moment sind wir nicht das beste Team in der Welt, aber was soll's? Wir wollen in Zukunft das beste Team in der Welt sein», betonte Klopp.

Kein Wunder, dass Reds-Geschäftsführer Ian Ayre bereits voll des Lobes für den neuen Coach ist, mit dem der 18-malige englische Meister, zuletzt allerdings 1990, wieder zu einer dauerhaften europäischen Top-Adresse werden will. «Sein Charakter passt sehr gut zu diesem Club, zu dieser Stadt und den Fans.»

Klopp als Mensch und Fußball-Trainer würde den FC Liverpool widerspiegeln. «Ich denke, das spricht für eine großartige Heirat in vielerlei Hinsicht», betonte Ayre. Es sei auch offensichtlich, dass Klopp dieses Gefühl, die Liebe und die Verbindung zu Liverpool habe. «Es hätte keinen anderen Job gegeben, der ihn aus seinem Sabbatjahr hätte holen können», sagte Ayre. «Wir haben also zur richtigen Zeit angerufen und das richtige Ergebnis erzielt.» So sieht es Klopp selbst wohl auch. «Es ist einer der besten Momente meines Lebens, muss ich sagen.»