Thees Uhlmann wird zum Beobachter

Thees Uhlmann macht weiter. Solo. Auf seinem zweiten Album «#2» geht es dem Tomte-Sänger nicht mehr um seine Gefühle. Stattdessen dreht es sich um Berlin, Wien und den tristen Wahlkampf der SPD-Basis. Zwischendurch gibt Uhlmann noch ein bisschen Geschichtsstunde in Melodieform.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählt der 39-Jährige vom zweiten Akt seines Alleingangs und kündigt an, dass er auch über die Zukunft von Tomte solo entscheidet.

Frage: In Ihrem neuen Album rückt der Mensch Thees Uhlmann fast komplett in den Hintergrund - es geht eher um Alltagsbeobachtungen. Trügt der Schein?

Antwort: «Nein, das ist schon richtig. Das ist mir auch erst in der Retrospektive aufgefallen. Ich hab Tomte im Endeffekt ja schon mit 18 angefangen. Die ersten sechs Jahre hat davon ja gar keiner was mitbekommen. Das war auch gar nicht schlimm. Aber es hat natürlich immer was mit großer Angst zu tun gehabt. Ob das ganze Ding implodiert, ob man das schafft, ob man sein Leben für immer ruiniert. Damals war eins der drei Hauptgefühle, das ich hatte in meinem Leben: "Alter, hoffentlich kommst du hier je lebendig raus". Und diesen Thees Uhlmann, den gibt es einfach gar nicht mehr.»

Frage: Wie ist denn der Thees Uhlmann von heute?

Antwort: «Der Thees Uhlmann von heute hat immer noch ein bisschen Angst um die Zukunft. Aber auf der anderen Seite bin ich da natürlich schon ein bisschen lockerer. Wenn ich jetzt mit 39 noch rumquengeln würde, wie groß meine Angst ist zu scheitern, das wäre ja ein bisschen komisch. Und jetzt ist es einfach so, dass ich wirklich mehr beobachtend durch die Gegend laufe und dass ich es für mich künstlerisch interessanter finde, einen Song über das Ruhrgebiet zu singen, obwohl ich da gar nicht herkomme.»

Frage: Das Album macht trotzdem den Eindruck, als wollten Sie mit gewohntem Sound vor allem langjährige Tomte-Fans bedienen. Der große Bruch war ja auch schon in ihrem ersten Soloalbum nicht sichtbar.

Antwort: «Ach, da hab ich ja auch überhaupt keinen Bock drauf. Es gab bei mir nie die Bestrebung, ein Lounge-Minimal-Techno Album zu machen. Immer auf der Suche nach dem perfekten Endreim zu sein, am Klavier zu komponieren und sich selber zu beweisen auf Konzerten: Das sind schon so drei fundamentale Säulen, die sich verändert haben. Das ist für mich eine Riesenänderung gewesen.»

Frage: Ihr alter Bandkollege und Tomte-Schlagzeuger Max Schröder hat in einem Interview im Frühjahr die Auflösung der Band bekanntgegeben. Offiziell wollten Sie das nie bestätigen. Wollen Sie heute?

Antwort: «Nein, das würde ich nicht sagen. Da muss man den Sänger fragen, ob sich die Band aufgelöst hat. Das ist mir ganz wichtig. Ich hab das wirklich so lange durchgezogen, habe das wahnsinnig gerne gemacht und jetzt mache ich was anderes. Wenn ich Bock hab, mal wieder Tomte zu machen, dann mach ich das und da frage ich auch keinen nach Erlaubnis.»

Interview: Benno Schwinghammer