Thüringer LKA-Chef soll Fahndung nach NSU-Trio verhindert haben  

Bei der Aufarbeitung der NSU-Mordserie sind schwere Vorwürfe gegen den heutigen Chef des Thüringer Landeskriminalamtes, Werner Jakstat, laut geworden. Wie das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» am Dienstag berichtete, soll er 2003 die Fahndung nach dem Terrortrio verhindert haben.

Dabei stützt sich das Magazin auf Aussagen eines LKA-Beamten. Eine Stellungnahme der Behörde zu den Vorwürfen gab es nicht.

Im konkreten Fall geht es um die Aussage eines Zeugen, der den untergetauchten Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt an einer Ampel in Jena erkannt haben wollte. Der Mann sei Böhnhardts Klassenkamerad gewesen und habe ihn eindeutig identifiziert. Doch Jakstat habe die Ermittler damals angewiesen, den Zeugen zu befragen, der Sache aber nicht weiter nachzugehen, berichtete der LKA-Beamte dem Magazin. «Es wurde explizit gesagt: Kriegen Sie da nichts raus.»

Die drei Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt waren 1998 abgetaucht, nachdem ihre Bombenwerkstatt in Jena aufgeflogen war. Im September 2003 - kurze Zeit nach den Hinweisen von Böhnhardts ehemaligen Schulfreund - war das Ermittlungsverfahren eingestellt worden.

Erst vorige Woche hatte Jakstat vor dem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages ausgesagt, die Ermittler seien Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre intensiv bemüht gewesen, das NSU-Trio zu fassen. Jakstat war damals schon in leitender Funktion im Landeskriminalamt tätig und widersprach damit einigen Zielfahndern. Sie hatten vor dem Ausschuss erklärt, die Suche nach dem Trio habe keine hohe Priorität gehabt und sei kein «richtiger Zielfahndungsauftrag» gewesen.

Der sogenannten «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) soll zehn Morde begangen haben.