THW Kiel verpasst wieder das Champions-League-Finale

Der THW Kiel hat die Nervenschlacht verloren und wieder das Endspiel der Champions League verpasst. Beim Endrunden-Turnier Final4 verlor der deutsche Handball-Meister wie im Vorjahr das Halbfinale gegen MVM Veszprem mit 28:31 (25:25, 15:12) nach Verlängerung.

THW Kiel verpasst wieder das Champions-League-Finale
Marius Becker THW Kiel verpasst wieder das Champions-League-Finale

Abgekämpft und mit hängenden Köpfen verließen die Kieler das Parkett. Statt am Sonntag im Finale (18.00 Uhr) gegen KS Vive Kielce um den vierten Champions-League-Sieg zu spielen, trifft das Team von Trainer Alfred Gislason um 15.15 Uhr auf Paris St. Germain.

Im ersten Halbfinale hatte Polens Meister Kielce sensationell das Pariser Starensemble mit 28:26 (16:16) ausgeschaltet und war erstmals ins Finale eingezogen. «Das ist gerade alles noch unwirklich. Wir haben mit Leidenschaft gespielt und Einsatz ohne Ende», meinte der deutsche Nationalspieler Tobias Reichmann in Diensten der Polen.

Die Kieler legten einen furiosen Start hin. Binnen vier Minuten hatte sich der deutsche Meister einen 3:1-Vorsprung erspielt. Doch schon nach zehn Minuten war der Vorteil dahin: Kiel kassierte den Ausgleich zum 5:5 und geriet anschließend mit 5:6 (15.) ins Hintertreffen. Fortan lief der Bundesligist einem Rückstand hinterher.

Dann aber nahm Trainer Alfred Gislson beim 8:9 (21.) eine Auszeit, ordnete seinen Angriff neu und hatte damit Erfolg. Mit der zurückgewonnenen Durchschlagskraft durch Europameister Christian Dissinger, der nach überwundener Oberschenkelblessur sein Comeback gab, wendete der deutsche Rekordmeister beim 11:9 (23.) das Spiel.

Im 14. Vergleich zwischen Kiel und Veszprem arbeitete der THW Kiel entschlossen daran, seinen siebten Sieg zu feiern. Highlight der ersten Halbzeit war ein Tor per Kempa-Trick durch Spielmacher Domagoj Duvnjak, der ein Zuspiel von Marko Vujin in den Sechs-Meter-Kreis im Sprung aufnahm und den Ball zum 15:12-Pausenstand ins Tor wuchtete.

Nach der Pause fand Kiel dann zunächst überhaupt nicht wieder ins Spiel. Fünf Gegentreffer in Serie hatten einen 15:17-Rückstand (38.) zur Folge. Vor allem Veszprems Torhüter Roland Mikler, der den glücklosen Mirko Alilovic ablöste, brachte die Kieler Angreifer zur Verzweiflung. Erst Patrick Wiencek löste mit zwei Treffern die Blockade und Kiel glich beim 19:19 (47.) wieder aus. Trotz 25:23-Führung (59.) musste Kiel in die Verlängerung. Dort verließen den Meister dann die Kräfte.

«Es werden sicher keine Handball-Schmankerl werden», hatte Martin Schwalb, der 2013 als Trainer mit dem HSV Hamburg die Champions League gewonnen hatte, vorhergesagt. Zumindest für das erste Halbfinale traf die Prognose zu. In einem zähen Ringen über zwei Stunden für die 60 Minuten Spielzeit schaltete Kielce überraschend den Top-Favoriten Paris aus.

«Ich bin sauer ohne Ende», schimpfte der Pariser Igor Vori, der mit Hamburg die Trophäe schon gewonnen hatte. Seine Mannschaft habe das Lehrgeld eines Final4-Neulings bezahlt. «Das ist eine Schule für uns. Mannschaften, die zum ersten Mal dabei sind, gewinnen nie», behauptete der Kroate, der indirekt auch an einer Premiere beteiligt war. In der 59. Minute wendeten die Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig den neu eingeführten Videobeweis bei strittigen Szenen an. Nach dem Studium der Bilder zeigten sie Vori in der 59. Minute für eine Tätlichkeit Rot.