Tief «Kurt» und Sommerreifen führen zu Chaos auf den Straßen

Der Wintereinbruch am Wochenende hat zu Tausenden Verkehrsunfällen und Dutzenden gestrichenen Flügen geführt. Allein in Nordrhein-Westfalen knallte es fast 2000 Mal auf den Straßen.

In Niedersachsen kamen zwei Menschen ums Leben. Am Frankfurter Flughafen wurden am Samstag insgesamt 89 Starts und Landungen gestrichen, wie ein Sprecher des Airport-Betreibers Fraport sagte. Betroffen waren mehrere tausend Passagiere. Sie wurden umgebucht oder mussten auf die Bahn umsteigen.

Der Betrieb am Düsseldorfer Flughafen war durch Schneefall am Samstagmorgen zeitweise lahmgelegt. Zwölf Starts und sechs Landungen wurden gestrichen, davon drei Flüge zu anderen Flughäfen umgeleitet. Außerdem gab es zahlreiche Verspätungen.

Autos schlitterten vor allem im Westen Deutschlands über die Straßen. In Niedersachsen verlor ein 46-Jähriger am Sonntagmorgen auf der glatten Autobahn 1 bei Sittensen die Kontrolle über sein Auto. Der Wagen überschlug sich mehrfach. Der Fahrer und seine 30 Jahre alte Beifahrerin starben. Wegen des Wetters kam es zu weiteren Unfällen mit Leicht- und Schwerverletzten. Knapp 23 000 Liter Milch ergossen sich am Sonntag über die Bundesstraße 211 bei Brake, weil der Fahrer eines Milchlasters auf eisglatter Straße die Kontrolle über seinen Sattelzug verlor und dieser umkippte. Verletzt wurde niemand.

In Nordrhein-Westfalen kam es nach Polizei-Angaben zwischen Samstagmorgen um 6.00 Uhr und Sonntagfrüh um 4.00 Uhr zu 1978 witterungsbedingten Verkehrsunfällen. Dabei wurden 25 Menschen schwer und 120 leicht verletzt. Es entstand ein geschätzter Schaden von 5,9 Millionen Euro. Schuld hatte aber wohl weniger das Tief «Kurt». In den meisten Fällen wurde nach Einschätzung der Polizei zu schnell gefahren, oft noch mit Sommerreifen - obwohl der Wintereinbruch vorhergesagt war. Innerhalb von etwa zwei Stunden hatte sich am Samstagmorgen das Bundesland in eine Winterlandschaft verwandelt.

Im Osten Schleswig-Holsteins kam es in der Nacht zum Sonntag zu 14 Glätte-Unfällen. Mehrere Menschen wurden dabei leicht verletzt. In Rheinland-Pfalz zählte die Polizei am Samstag mindestens 30 Karambolagen, am Sonntag normalisierte sich der Verkehr wieder.

Beim Bahnverkehr bereitete der Wintereinbruch am Samstag vor allem Güterzügen Probleme. Dort gab es einige Ausfälle und Verspätungen, weil die Weichen auf den Strecken nicht beheizt waren, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Am Sonntag rollten nach Bahnangaben alle Züge wieder wie geplant.

Immerhin konnten sich Ski- und Schlittenfahrer in einigen Gebieten freuen. Sie nutzten den Schnee etwa im Harz und auf Hessens höchstem Berg, der 950 Meter hohen Wasserkuppe in der Rhön.

Für den Wochenanfang sagen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach Schnee, Regen, Eisglätte und viele Wolken voraus. So lässt sich die Sonne am Montag allenfalls am Alpenrand blicken, überall sonst bleibt es bedeckt. Von Westen und Nordwesten zieht Regen ins Land, der teilweise als gefrierender Regen fällt. Schnee fällt nur noch oberhalb von 400 bis 600 Metern im Süden und Osten. Die Temperaturen bewegen sich zwischen null und zwei Grad. Mit Regen und Schneeregen geht es auch in den nächsten Tagen weiter.