Titel-Vorentscheidung interessiert Bayern nicht

Glückwünsche zur 25. Meisterschaft wollte noch niemand beim FC Bayern München annehmen. Zu sehr war der Rekordmeister nach dem glanzlosen 3:1 (1:1) bei Hannover 96 und dem weiter angewachsenen Punkte-Polster auf den VfL Wolfsburg schon mit der Champions League beschäftigt.

Titel-Vorentscheidung interessiert Bayern nicht
Peter Steffen Titel-Vorentscheidung interessiert Bayern nicht

«Das ist ein Finale, wir müssen gewinnen», meinte Bayern-Coach Pep Guardiola zum wichtigen Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch gegen Schachtjor Donezk. Dass der Bundesliga-Zweite Wolfsburg nach der Niederlage in Augsburg endgültig kein ernsthafter Konkurrent mehr ist, interessierte da kaum. Auch Matthias Sammer wich dem Thema aus. «Ich war im Malen immer schlecht früher», sagte der Sportvorstand auf die Frage, ob er schon einen Haken an den 25. Titel der Bayern machen würde und erinnerte lieber an Donezk: «Wir müssen eine Top-Leistung bringen. Es wird ein sehr, sehr schweres Spiel.»

Schon am Mittwoch könnten sich die elf Punkte Vorsprung auf Wolfsburg nur wie ein Trostpreis anfühlen. Nach dem mageren 0:0 im Hinspiel stehen die Bayern unter Druck. Eine so behäbige Leistung wie beim kriselnden 96-Team kann sich Guardiolas Elf gegen die Ukrainer nicht erlauben. «Wir wissen, was wir tun müssen», meinte der Coach und benannte, was besser werden muss gegen Donezk: «Sie haben Stürmer, die sind sehr, sehr schnell. Wir dürfen sie nicht laufen lassen.»

Genau das ließ die Bayern-Abwehr in Hannover nämlich einige Male zu. Der Rekordmeister hatte Glück, dass 96 derzeit angesichts einer Sieglos-Serie von acht Spielen zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint, um dies mehr als am Samstag auszunutzen. Hinzu kamen vor dem 1:1 durch Xabi Alonso (28.) und Thomas Müllers Führung (61./Foulelfmeter) fragwürdige Schiedsrichterauslegungen.

Was bei Bayerns auf Dominanz ausgelegte Spielweise passieren kann, wenn das Team auf schnelle Fußballer auf höherem Niveau als dem von Hannover trifft, konnte man beim 0:4 gegen Real Madrid im vergangenen Champions-League-Viertelfinale und beim 1:4 in Wolfsburg im Januar sehen. «Wir sind bescheiden und wissen, dass das ein gefährlicher Gegner ist», meinte Sammer, fügte aber hinzu: «Wir sind bereit.»

Als Gradmesser für Donezk wollte auch Guardiola das Spiel in Hannover, bei dem er Franck Ribéry, Robert Lewandowski und Bastian Schweinsteiger zunächst auf der Bank beließ und schonte, nicht geltenlassen. «Die Defensive von Donezk ist komplett anders als die von Hannover. Hannover ist Raumdeckung und Schachtjor ist Manndeckung», analysierte der Katalane. Problematisch scheint allerdings auch nicht die Offensive, in der ein Genieblitz eines der Top-Individualisten immer möglich ist. So wie vor der Entscheidung zum 3:1 in Hannover, als der eingewechselte Ribéry sein Können zeigte und Müllers zweites Tor (72.) stark vorbereitete.

Zum Problem in der Defensive entwickelte sich stattdessen Innenverteidiger Dante, der aus taktischen Gründen schon nach gut 30 Minuten vom Feld musste und danach arg geknickt wirkte. «Das ist natürlich extrem bitter. Aber es ging ja nicht um ihn, sondern einfach darum, dass wir einen Verteidiger raus genommen haben, weil wir uns extrem schwergetan haben», berichtete Doppel-Torschütze Müller.

Was unerwähnt blieb: Guardiola entschied sich nicht ohne Grund genau für den extrem schwachen Brasilianer und nicht für einen seiner Nebenleute Jérôme Boateng oder Holger Badstuber. Beim 0:1 durch Hiroshi Kiyotake (25.) patzte Dante. Auch zuvor hatte der schon seit einiger Zeit kritisierte frühere Gladbacher einige schwache Szenen. Selbst etwas sagen wollte Dante nicht. Dafür sprachen alle anderen über ihn. «Da sollten wir jetzt kein Fass aufmachen, sondern schauen, dass wir bis Mittwoch alle hinter dem FC Bayern stehen», meinte etwa Müller. Und schon wieder ging es nur um Schachtjor Donezk.