Tote bei Demonstrationen für Kobane in der Türkei

Der Kampf um die von der Terrormiliz IS bedrängte syrisch-kurdische Stadt Kobane bedroht inzwischen den inneren Frieden in der Türkei.

Bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes kamen vor allem im kurdisch dominierten Südosten der Türkei inzwischen mindestens 14 Menschen ums Leben, wie örtliche Medien übereinstimmend berichteten. Die meisten der Opfer seien bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden.

Die türkische Regierung rief zu einem sofortigen Ende der Gewalt auf. «Wir werden keine Toleranz gegenüber gewalttätigen Protesten oder Vandalismus zeigen», sagte Vize-Ministerpräsident Yalcin Akdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Akdogan wies Vorwürfe von Seiten der Demonstranten über mangelndes Engagement der Türkei zum Schutz von Kobane als «große Lüge» zurück.

Der syrische Kurdenpolitiker Salih Muslim forderte von der Türkei einen Korridor für Kämpfer der Volksschutzeinheiten (YPG), die in Enklaven östlich und westlich der vom IS umstellten Stadt Kobane einsatzbereit seien. «Unsere bewaffneten Kämpfer in Afrin und Cizre warten darauf, sich den Kämpfern in Kobane anzuschließen», sagte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD der türkischen Zeitung «Hürriyet Daily News». «Aber wir müssen türkisches Territorium nutzen, um diese Kämpfer nach Kobane zu bringen.»

Die meisten Todesopfer bei den Protesten in der Türkei gab in der Nacht zum Mittwoch in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir. Alleine dort seien acht Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Zeitung «Hürriyet». Auch in anderen Städten seien Todesopfer zu beklagen gewesen. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden. Die Behörden hätten in der Nacht in sechs Provinzen Ausgangssperren verhängt. Die Zeitung «Radikal» sprach von «kriegsähnlichen Zuständen» in mehreren Städten des Landes.

Unter den 14 Toten ist auch ein 25-Jähriger, der am Dienstag Medienberichten zufolge bei Zusammenstößen mit der Polizei in der vor allem von Kurden bewohnten Stadt Varto im Osten des Landes erschossen wurde. Auch in Istanbul und anderen Städten im Westen der Türkei kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Von dort wurden aber keine Toten gemeldet.

In Kobane kämpfen kurdische Volksschutzeinheiten gegen die Terrormiliz IS. Die türkische Regierung greift in die Kämpfe direkt hinter der Grenze bislang nicht militärisch ein, obwohl sie dafür seit vergangenem Donnerstag ein Parlamentsmandat hat. Ankara engagiert sich vor allem humanitär. Seit Beginn der Kämpfe um Kobane Mitte vergangenen Monats hat die Türkei nach Regierungsangaben mehr als 180 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen.