Tote bei Luftangriff auf Flüchtlinge in Syrien

Rückschlag für die Friedensbemühungen in Syrien: Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Bürgerkriegslands sind mindestens 28 Menschen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Tote bei Luftangriff auf Flüchtlinge in Syrien
Tote bei Luftangriff auf Flüchtlinge in Syrien

Bei einem Doppelanschlag auf eine von der Regierung beherrschte Stadt in Mittelsyrien starben zudem mindestens zwölf Menschen. Zuvor war nach fast zwei Wochen heftigen Kämpfen eine neue Waffenruhe auf Aleppo ausgeweitet worden, die zunächst weitgehend hielt.

Insgesamt sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen ums Leben gekommen. Die Friedensgespräche waren zuletzt ins Stocken geraten.

Bei dem Luftangriff auf das Flüchtlingscamp in der Stadt Sarmada in der Provinz Idlib nahe der Grenze zur Türkei kamen auch mindestens sieben Kinder ums Leben, wie die Menschenrechtsbeobachter meldeten. Wer dafür verantwortlich ist, war zunächst unklar. Es wurde erwartet, dass die Opferzahl noch steigt.

Bei dem Doppel-Bombenanschlag in Muharram Fukani wurden zudem auch mehr als 40 Menschen verletzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, zwei Selbstmordattentäter hätten sich mit einem Auto und einem Motorrad in die Luft gesprengt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Die Stadt liegt unweit des syrischen Gebietes, das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht wird.

Östlich von Muharram Fukani hatte der IS zuvor nach drei Tagen heftiger Kämpfe das wichtige Gasfeld Al-Schair eingenommen, wie die Menschenrechtler weiter erklärten. Die Terrormiliz hatte dieses Gebiet bereits im Sommer 2014 kurzfristig unter Kontrolle, wurde jedoch von Kräften des Regimes wieder zurückgedrängt.

Aleppo ist zwischen Regime und Rebellen geteilt. Die Stadt ist umkämpftester Schauplatz in Syriens Bürgerkrieg. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren dort zuletzt mindestens 285 Zivilisten bei Luftangriffen des Regimes sowie Attacken von Rebellen getötet worden. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die Genfer Friedensgespräche verlassen.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Donnerstag nur vereinzelte Verstöße gegen die Feuerpause in Aleppo. Allerdings hätten viele Anwohner aus Angst vor neuer Gewalt ihre Häuser nicht verlassen.

Die USA und Syriens enger Verbündeter Russland hatten sich auf die neue Waffenruhe geeinigt. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagte in Washington: «Intensität und Frequenz der Auseinandersetzungen haben abgenommen, aber wir sind besorgt über anhaltende und zu viele Verletzungen der Waffenruhe.»

Das US-Außenministerium erklärte, es setze darauf, dass Russland seinen Einfluss auf das Regime von Präsident Baschar al-Assad geltend mache. Die USA würden das ihre tun.

Von russischer Seite hieß es, der Schritt könnte der «Prolog zu einer vollwertigen Feuerpause» sein. «Aber wenn jemand wie die (Terrorgruppe) Al-Nusra-Front bewusst den Frieden nicht will, wird er alle Seiten ständig provozieren und beschießen», sagte Generalmajor Igor Konaschenkow.

Bei der Al-Nusra-Front handelt es sich um den syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie ist von der Waffenruhe genauso ausgenommen wie der IS.

Assad machte zugleich in einem Schreiben an Russlands Präsidenteb Wladimir Putin deutlich, dass er weiter auf einen «endgültigen Sieg» gegen die Rebellen setzt.