Tränengas gegen Flüchtlinge an mazedonischer Grenze

Hunderte Flüchtlinge und Migranten in Nordgriechenland haben vergeblich versucht, den Grenzzaun zu Mazedonien zu durchbrechen und ihre Weiterreise nach Westeuropa zu erzwingen.

Tränengas gegen Flüchtlinge an mazedonischer Grenze
Ulrich Behmann Tränengas gegen Flüchtlinge an mazedonischer Grenze

Mazedonische Grenzschützer feuerten Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse in die Menge, um den Ansturm zurückzudrängen, wie Augenzeugen schilderten. Es gab etliche Verletzte. Die Menschen kamen überwiegend aus dem wilden Camp im Grenzort Idomeni. Zu der Aktion war in Flugblättern aufgerufen worden.

In Idomeni campieren seit Wochen rund 11 000 Migranten, die auf eine erneute Öffnung der Balkanroute Richtung Nordwesten und vor allem nach Deutschland hoffen. Dem Aufruf folgten nach Berichten griechischer Medien auch Migranten aus anderen Lagern.

Die Menschen stürmten dann am Vormittag über ein Feld auf den Grenzzaun zu. «Atemnot, tränende Augen - viele Menschen wurden verletzt zurück ins Lager gebracht», berichtete die Chefredakteurin der «Deister- und Weserzeitung», Julia Niemeyer, die zum Zeitpunkt des Ansturms vor Ort war. Die mazedonische Polizei habe das Tränengas immer weiter über die Grenze gefeuert. Schließlich habe der Wind gedreht und die Gaswolke direkt ins Lager Idomeni getragen, berichtete Niemeyer. Auch Kinder seien von dem Gas betroffen gewesen. Die griechische Polizei habe nicht eingegriffen.

Das mazedonische Innenministerium erklärte zu dem Einsatz: «Die Polizei hat Tränengas eingesetzt, um die Menge zu zerstreuen und die Ordnung wiederherzustellen.» Drei mazedonische Polizisten seien leicht verletzt worden. Eine kleinere Zahl von Flüchtlingen sei nach Mazedonien gelangt, sie seien aber nach Griechenland zurückgeschickt worden.

Kritik an der Reaktion Mazedoniens kam vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise. Der Einsatz von Tränengas, Blendgranaten und Gummischossen sei verwerflich. Die mazedonische Regierung möge die Risiken solch eines Einsatzes überdenken, hieß es.

Auch an die Flüchtlinge wandte sich der Krisenstab mit der erneuten Bitte, den Gerüchten über eine mögliche Grenzöffnung keinen Glauben zu schenken. Diese Gerüchte in die Welt zu setzen, sei kriminell und verantwortungslos.

Die griechische Polizei sucht nach ausländischen Aktivisten, die für das Flugblatt verantwortlich sein sollen. Es soll sich griechischen Medienberichten zufolge um britische und deutsche Staatsbürger handeln, die keiner der offiziellen Hilfsorganisationen vor Ort angehören, sich aber dennoch im Lager von Idomeni engagieren.

«Termin für den Marsch nach Mazedonien morgen, Sonntag, um 9 Uhr morgens», stand auf handschriftlich in arabischer Sprache verfassten Zetteln. Die Kopien waren rund um das improvisierte Lager unter anderem an Strommasten geklebt, wie griechische Medien berichteten.

Es ist nicht das erste Mal, das ausländische Helfer in die Geschehnisse in Idomeni eingreifen. Bei einer ähnlichen Aktion Mitte März hatten Aktivisten die Flüchtlinge per Flugblatt dazu aufgerufen, über einen Grenzfluss nach Mazedonien zu gelangen. Rund 2000 Flüchtlinge waren dem Aufruf gefolgt, wurden aber anschließend von Mazedonien aus zurück nach Griechenland geschickt. Drei Menschen ertranken, als sie versuchten, den reißenden Fluss zu überqueren.