Trauer um den Literaturkritiker Hellmuth Karasek

Trauer um Hellmuth Karasek: Der Literaturkritiker ist im Alter von 81 Jahren am Dienstag in Hamburg gestorben. Das bestätigte seine Familie.

Neben dem 2013 gestorbenen Marcel Reich-Ranicki prägte Karasek über Jahre die ZDF-Sendung «Das Literarische Quartett» und wurde so einem Millionenpublikum bekannt. Lange bestimmte Karasek auch als Kulturchef des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» das Bild der Literatur, des Theaters und der Filmkunst in Deutschland mit. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Karasek als leidenschaftlichen Streiter und entschiedenen Anwalt der deutschen Literatur.

«Hellmuth Karasek hat bei vielen Menschen die Kenntnis und die Liebe zur Literatur, zum Theater und zum Film entscheidend erweitert und vertieft», schrieb Gauck an die Witwe Armgard Seegers. «Ohne ihn wäre das literarische Leben in unserem Land sehr viel ärmer - und auch erheblich langweiliger.» Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Karasek als «eine echte Institution in Deutschland». «Er liebte und litt an und mit der Literatur und war dabei immer ihr souveräner Vermittler und ein brillanter Unterhalter.»

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) erklärte, Karasek habe als glühender Verfechter der Lesekultur den Menschen das Buch nahegebracht. «Er wird fehlen.» SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Karasek eine prägende Figur des Geisteslebens. Deutschland verliere eine seiner brillantesten Stimmen.

Karasek, der aus Brno (Brünn) in Mähren stammte, schrieb auch selber zahlreiche Bücher, darunter Romane («Betrug»), Biografien («Billy Wilder - ein Nahaufnahme») oder seine autobiografischen Erinnerungen «Auf der Flucht». Unter dem Pseudonym Daniel Doppler verfasste Karasek auch mehrere Theaterstücke, darunter «Die Wachtel».

Der Autor lebte in Hamburg. Er war in zweiter Ehe mit der Journalistin Armgard Seegers verheiratet und hatte vier Kinder. Sein Sohn Daniel Karasek leitet als Intendant das Kieler Theater. Seine Tochter Laura Karasek-Briggs ist Anwältin und Schriftstellerin.

1988 startete im ZDF «Das Literarische Quartett», das mit Unterbrechungen bis 2001 lief. Karasek zeigte eher feinen Humor und Zwischentöne, während Reich-Ranicki gern auch polternd hart über Bücher urteilte.

Karasek begann seine journalistische Karriere 1960 bei der «Stuttgarter Zeitung». Nach einigen Unterbrechungen wechselte er 1968 als Theaterkritiker und Feuilleton-Redakteur zur Wochenzeitung «Die Zeit» (bis 1974). Danach begann seine «Spiegel»-Zeit: von 1974 bis 1991 leitete er das Kulturressort, 1996 kam es zum vorläufigen Bruch mit dem Magazin. Nach vierjähriger Pause schrieb Karasek im Jahr 2000 wieder ein Titelgeschichte für das Heft - über Marlene Dietrich.

Sein Romandebüt gab Karasek 1998 mit «Das Magazin» - über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins, was ihm viele übelnahmen. Bis 2004 war er Mitherausgeber des Berliner «Tagesspiegel». Neben seinen zahlreichen Büchern schrieb Karasek für Zeitungen wie «Die Welt» und das «Hamburger Abendblatt» - wo auch regelmäßig seine Glossen erschienen.

«Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert», sagte Karasek über seine Zeit beim «Literarischen Quartett» einmal.

Bis ins hohe Alter ging er auf Lesereise und schrieb weiter. Erst 2013 waren wieder zwei Bücher («Auf Reisen. Wie ich mir Deutschland erlesen habe», «Frauen sind auch nur Männer») von ihm erschienen.