Trauer um toten Motorradpiloten bei Dakar

Die Dakar wird ihre schrecklichen Schattenseiten einfach nicht los. Fast 70 Menschen kostete die legendärste aller Rallyes seit ihrer ersten Auflage 1979 nun schon das Leben.

Was zum Tode des 39 Jahre alten polnischen Motorradpiloten Michal Hernik führte, blieb auch einen Tag nach der traurigen Nachricht zunächst unklar. Die zuständigen Behörden in der argentinischen Provinzhauptstadt untersuchen die Geschehnisse, während der Dakar-Tross weiter durch Südamerika zieht.

Die Trauer fährt aber mit. Herniks Landsmann Krzysztof Hołowczyc vom hessischen X-Raid-Team postete einen Trauerflor als Profilbild auf seiner Facebook-Seite. In Gedanken sei man auf der Strecke bei Hernik, «der für seine große Leidenschaft Dakar den höchsten Preis zahlte». Es sei die «schlimmste Nachricht, die uns von der Dakar erreichen konnte», wurde der mehrfache Dakar-Starter Marek Dabrowski am Mittwoch in polnischen Medien zitiert. Die Organisatoren teilten mit: «Die gesamte Dakar-Familie möchte Michals Familie ihr Beileid aussprechen, seinen Freunden und seinem Team.»

Hernik war auf dem Weg nach Chilecito in Argentinien tot aufgefunden worden. Nachdem die Kommissare um 15:16 Uhr Ortszeit die Information bekommen hatten, dass Hernik die Spezialprüfung nicht beendet hatte, schickten sie einen Hubschrauber um 15:23 Uhr los. Um 16:03 Uhr wurde Hernik entdeckt. Er befand sich rund 300 Meter von der Strecke entfernt. Der Arzt konnte nur noch den Tod des Polen feststellen, der sich für seine Premiere bei der Dakar sogar das Logo auf die Innenseite des Unterarms hatte tätowieren lassen.

Was bei Kilometer 206 auf der dritten Etappe passiert ist, muss erst noch untersucht werden. Nach Angaben eines Sprechers von Veranstalter ASO trug Hernik keinen Helm, als man seine Leiche auf der steilen und kurvenreichen Strecke fand. Das Motorrad habe auf dem Boden gelegen. Der 39-Jährige habe kein Notsignal abgegeben. Es gebe auch keine äußeren Anzeichen für einen Unfall.

Vor einem Jahr hatte in dem Belgier Eric Palante ebenfalls ein Motorradfahrer die Dakar nicht überlebt. Zudem waren damals zwei nicht akkreditierte Journalisten tödlich verunglückt, als ihr Auto in eine Schlucht stürzte. 2013 war ein Begleitfahrzeug auf einer Etappe in Peru in ein Taxi gekracht, zwei Menschen starben damals. Keine der bisherigen Auflagen in Südamerika seit 2009 ging ohne Todesfall über die gefährliche Offroad-Bühne. Betroffen waren Zuschauer, erfahrene wie auch unerfahrene Piloten.

Für Hernik war es die erste Teilnahme. Bei Rallyes in Marokko und Abu Dhabi hatte er sich auf die Dakar vorbereitet. Zwei Jahre lang hatte er alles auf seinen Start bei der Dakar abgestimmt.

Seine Mitstreiter und Rivalen setzten die Rallye am Mittwoch fort. Das vierte Tagesstück führte den Tross von Chilecito nach Copiapó in Chile unter anderem über den mehr als 4700 Meter hohen Paso de San Francisco. «Copiapó begrüßt die Dakar Piloten 2015. Die Motoren röhren in der Atacama Wüste», hieß es beim offiziellen Dakar-Twitter-Account.