Trübe Wachstumsaussichten: Ifo-Index gibt zum sechsten Mal nach

Die Sorgen um internationale politische Krisen und trübe Konjunkturaussichten drücken unerwartet deutlich auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft.

Im Oktober gab der Ifo-Geschäftsklimaindex bereits zum sechsten Mal in Folge nach und fiel von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mitteilte.

Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2012. Der Rückgang fiel deutlicher aus als von Experten erwartet. Vor allem in der Industrie habe sich die Stimmung deutlich eingetrübt, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 0,2 auf 104,5 Punkte gerechnet. Der deutsche Börsen-Leitindex Dax, der zu Handelsbeginn am Montag noch positiv auf die Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests reagierte hatte, reagierte negativ und lag zuletzt um 0,04 Prozent niedriger bei 8983,99 Punkten.

Die Unternehmen schätzten im Oktober sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Zukunftsaussichten schlechter ein. Während der Ifo-Index zur aktuellen Geschäftslage von 110,4 auf 108,4 Punkte nachgab, fiel der Index, der die Erwartungen für die kommenden Monate widerspiegelt, von 99,3 auf 98,3 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

«Das weltwirtschaftliche Umfeld bremst die Exportunternehmen und Investitionsgüterhersteller», sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner laut Mitteilung. Die schlechte Stimmung verzögere Investitionen.

Vor allem die Entwicklung in Europa sei wichtig, damit es wieder deutlicher aufwärts geht. «Gerade für Wachstum in Europa haben wir aber noch kein Rezept gefunden», erklärte Zeuner. Für viel mehr als Stagnation bis ins neue Jahr reiche es aber wohl in Deutschland und Europa nicht.

Es gibt aber auch positive Impulse für die Konjunktur: Die Verbraucher in Deutschland lassen sich ihre Konsumlaune auch von den gedämpften Wachstumsprognosen nicht vermiesen. Nach zwei Rückgängen in Folge hatte sich die Verbraucherstimmung der Bundesbürger wieder leicht gebessert.

Die Konjunkturerwartungen stabilisierten sich nach einem massiven Einbruch wieder, die Einkommensaussichten sowie die Anschaffungsneigung legten auf ohnehin hohem Niveau sogar wieder zu. Der Konsumklimaindex stieg von 8,4 Zählern im August auf 8,5 Punkte für November.