Trecker-Kolonnen tragen Bauern-Wut nach Paris

Mit Hunderten Treckern haben Bauern in Paris gegen die Krise der französischen Landwirtschaft demonstriert und staatliche Hilfe gefordert.

Trecker-Kolonnen tragen Bauern-Wut nach Paris
Etienne Laurent Trecker-Kolonnen tragen Bauern-Wut nach Paris

Die Polizei zählte nach Angaben einer Sprecherin zunächst 1365 Traktoren, der Bauernverband FNSEA sprach von mehr als 1700 Fahrzeugen auf den Straßen. Frankreichs Landwirte sehen sich wegen niedriger Preise und zu viel Bürokratie in ihrer Existenz bedroht.

Die Riesen-Demo ist der vorläufige Höhepunkt monatelanger Proteste, die von den französischen Viehzüchtern ausgegangen waren. Sie klagen über Fleischpreise, die aus ihrer Sicht die Kosten nicht decken. Ein Preissturz bei der Milch sorgt ebenfalls für Ärger, zuletzt gingen deshalb auch in Deutschland Bauern auf die Straße. Frankreichs Regierung hatte im Juli eine 600-Millionen-Euro-Nothilfe versprochen.

Den Bauern geht das aber nicht weit genug, sie pochen auf strukturelle Erleichterungen. «Die Abgaben sind zu teuer, die Sozialkosten hoch, die Sozial- und Umweltnormen im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn abgehoben», sagte FNSEA-Chef Xavier Beulin dem Sender RTL. Der wichtigste Bauernverband des Landes hatte zu den Kundgebungen aufgerufen.

Die Protest-Kolonnen machten sich am frühen Morgen aus verschiedenen Richtungen im Pariser Umland auf den Weg. Viele Trecker trugen Fahnen und Schilder: «Hilfe, wir sterben», stand auf einem davon; ein anderer Landwirt hatte einen Galgen dabei, an dem eine Bauern-Puppe baumelte.

Nach französischen Medienberichten sorgten sie auf dem Weg zur Kundgebung am Platz der Nation für Hupkonzerte blockierter Autofahrer auf der Pariser Stadtautobahn, das ganz große Verkehrschaos blieb jedoch aus. Die Polizei hatte Pendler vorsorglich aufgerufen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls sollte am Mittag Vertreter der Bauern empfangen. Die Gründe für ihre Probleme sind vielfältig: Nach der Abschaffung der EU-Milchquote gibt es ein Überangebot, Russland hat infolge der Ukraine-Krise zudem Einfuhrverbote für europäische Produkte verhängt. In Frankreich kommt hinzu, dass Schweine- und Rinderzüchter teurer produzieren als ihre europäische Konkurrenz.

Am kommenden Montag sprechen die EU-Agrarminister bei einem Krisentreffen in Brüssel über die Lage der Branche. Auch dort soll es wieder Proteste geben: Der europäische Dachverband Copa-Cogeca erwartet 4000 Landwirte mit 1000 Traktoren.

Über den richtigen Weg ist die europäische Politik bisher uneinig. Während Frankreich beim Milchpreis einen Eingriff in den Markt anstrebt, lehnte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dies Anfang der Woche ab.