Triple für Sturzopfer Greipel bei der Tour

André Greipel setzte mit letzter Verbissenheit zum Tigersprung an, dann reckte er die Siegerfaust nach oben. Direkt dahinter senkte der tragische Zweite John Degenkolb einmal mehr frustriert den Kopf.

Triple für Sturzopfer Greipel bei der Tour
Yoan Valat Triple für Sturzopfer Greipel bei der Tour

Die deutsche Sprinterhierarchie bleibt bei der 102. Tour de France klar. Ungeachtet seiner Sturzverletzungen vom Vortag stürmte Greipel zu seinem persönlichen Triple, als er mit einer halben Radlänge vor Degenkolb und dem Norweger Alexander Kristoff triumphierte.

Das Kraftpaket aus Rostock feierte damit am Sonntag auf dem 15. Teilstück nach 183 Kilometern von Mende nach Valence bereits zum dritten Mal nach seinen Siegen in Zeeland und Amiens. Für die negativen Schlagzeilen hatte am Vortag ein Zuschauer gesorgt, als er Spitzenreiter Christopher Froome mit Urin bewarf.

Im Mittelpunkt stand aber Greipel, der keine Schmerzen kannte. «Ich bin eben ein Fischkopp. Ich stecke sowas weg. Das passiert schon einmal im Radsport», sagte der zweimalige deutsche Meister mit Blick auf seine schmerzhafte Wunde und ergänzte: «Das Team hat mich fantastisch unterstützt.» Für seinen Chef Marc Sergeant war spätestens in Valence klar: «Er ist der beste Sprinter der Tour.»

Der «Gorilla», der sich am Vortag bei einem Sturz unterhalb des linken Knies verletzt hatte und mit einer Bandage unterwegs war, holte bereits seinen neunten Tour-Etappensieg. Nur Erik Zabel liegt mit zwölf Erfolgen in der deutschen Rangliste noch vor ihm. Dagegen ist Degenkolb aus deutscher Sicht die tragische Figur. Beim x-ten Anlauf auf seinen ersten Etappensieg musste sich der Frankfurter schon zum fünften Mal mit einem zweiten Platz seit seinem Tour-Debüt 2013 begnügen.

Froome, der Mann in Gelb, musste sich dagegen keinen Attacken seiner Rivalen erwehren und liegt vor der ersten Alpenetappe deutlich vor seinen Rivalen Nairo Quintana (3:10 Minuten Rückstand) und Tejay van Garderen (3:32). Viel mehr zu schaffen machen dem Sky-Kapitän aber die Anfeindungen vom Straßenrand.

Nach der Etappe am Samstag, die der Brite Stephen Cummings auf dem Flugplatz in Mende gewann, war Froome über die Urin-Attacke «maßlos enttäuscht». Der Vorfall gut 55 Kilometer vor dem Ziel war der Tiefpunkt bei der Tour 2015, bei der sich der Sky-Kapitän seit Tagen mit Doping-Anschuldigungen auseinandersetzen muss.

Froome machte die negative Berichterstattung in Frankreich für den Vorfall verantwortlich und zielte in erster Linie auf die früheren Radprofis und heutigen TV-Experten Laurent Jalabert und Cedric Vasseur. Beide - in ihrer aktiven Zeit nicht gerade unbelastet - hatten die Leistungen des Briten in Zweifel gestellt. «Ich denke die Berichterstattung über das Rennen ist mitunter unverantwortlich und ich gebe ihnen die Schuld dafür. Wen ich meine, wissen diese Leute selbst. Es sind nicht mehr die Sportler, die respektlos gegenüber dem Radsport sind, es sind diese Leute», sagte Froome.

Am Sonntag wurde der Toursieger von 2013 bei der Einschreibung mit Applaus bedacht. Ungeachtet dessen erhielt sein Team Polizeischutz. Denn die Urin-Attacke war nicht der einzige Vorfall. Sein Team-Kollege Richie Porte berichtete von Faustschlägen, die er zuvor in den Pyrenäen unterwegs wie einst Eddy Merckx einstecken musste. «Wir fahren jeden Tag durch eine Art Fußball-Mob», erregte sich Froome-Chef Sir Dave Brailsford. Volle Cola-Dosen sollen schon gegen das Sky-Auto geflogen sein.

«Wo soll das eines Tages hinführen? Ist es bald so wie im Fußball, wo Leute über den Zaun springen und Waffen in der Hand haben?», fragte Sportdirektor Nicolas Portal. Am Sonntag wurde das Team unter Polizeischutz gestellt. Sechs Beamte bewachten den Bus vor dem Start. Tourchef Christian Prudhomme rief die Leute am Straßenrand zu Fairness auf: «Die Zuschauer dürfen ihren Unmut äußern, müssen aber natürlich die Fahrer respektieren und deren Integrität wahren.»

Auf dem Tagesstück nach Valence bestimmte zunächst eine Fluchtgruppe, der auch der Berliner Simon Geschke und Peter Sagan angehörten, das Geschehen. 29 Kilometer vor dem Ziel kam es zum Zusammenschluss. Im Finale waren dann aber die Sprinter gefragt. Dabei schaffte Greipel auuch ohne seinen zuvor abgehängten Bodyguard Marcel Sieberg den Sieg. Auch für Rivale Mark Cavendish war die Fahrt durch die Voralpen zu schwer. Weiter geht es am Montag mit der 16. Etappe von Bourg de Péage nach Gap über 201 Kilometer.