Trittin warnt vor Euphorie: Grüne im Bund keine Volkspartei

Grünen-Politiker Jürgen Trittin sieht trotz des Erfolgs seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und guter Umfragewerte keinen Grund zu Euphorie.

Trittin warnt vor Euphorie: Grüne im Bund keine Volkspartei
Hannibal Hanschke Trittin warnt vor Euphorie: Grüne im Bund keine Volkspartei

«In anderen Ländern haben wir gekämpft, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen», sagte der ehemalige Fraktionschef vor dem sogenannten kleinen Bundesparteitag der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben es mit einer insgesamt schwierigen Lage zu tun.» Zwar gebe es Regionen, in denen die Grünen Volkspartei seien. «Aber im Bund sind wir davon ein gutes Stück entfernt. Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.»

Vier Wochen nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ziehen die Grünen heute auf Bundesebene Bilanz. In Berlin wollen sie zudem erste Weichen in Richtung Bundestagswahl 2017 stellen. Bei dem eintägigen Treffen wird auch der Wahlgewinner aus dem Südwesten, Winfried Kretschmann, sprechen. Die Wahl der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl steht erst im Herbst an.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, warb dafür, eine Koalition mit der Union für 2017 offenzuhalten, trotzdem aber jetzt einen Abgrenzungskurs zu fahren. «Ich bin der Meinung, dass wir Schwarz-Grün 2017 nicht ausschließen sollen. Aber wir sollten auch keinen Kuschelkurs mit der Union fahren», sagte Hofreiter der «Rheinischen Post» (Samstag).

Trittin forderte, für die Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres müsse die Partei sich das Ziel setzen, drittstärkste Kraft vor Linken, AfD und FDP zu werden. Die Wahrscheinlichkeit einer neuen großen Koalition sei hoch. In diesem Fall müssten die Grünen eine Gegenkraft darstellen, die es «ernst meint mit den Grundrechten», und die sich nicht von der AfD treiben lasse. Im jüngsten Deutschlandtrend der ARD liegen die Grünen bei 13 Prozent, die AfD hat einen Punkt mehr.