Türkei will Erstürmung von Kobane verhindern

Kurdische Kämpfer wehren sich an den Stadtgrenzen ihrer syrischen Hochburg Kobane erbittert gegen die vorrückende Terrormiliz Islamischer Stadt (IS). Die kurdischen Volksschutzeinheiten schlugen dabei nach eigenen Angaben drei Angriffe der Extremisten zurück.

Die Lage sei dennoch «sehr kritisch», sagte ein Sprecher. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sicherte den Kurden in der Stadt Hilfe zu. «Wir würden nicht wollen, dass Kobane fällt», sagte Davutoglu nach Angaben des Senders «A Haber». «Wir werden tun, was immer nötig ist, um zu verhindern, dass das passiert.»

Das Parlament in Ankara hatte am Vorabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt. Damit kann die türkische Regierung in den beiden Nachbarländern mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen vorgehen. Noch ist allerdings unklar, ob - und falls ja, wann - die Regierung von der Möglichkeit Gebrauch macht.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte griffen die IS-Extremisten Kobane von Süden und von Südosten her an. Den Kurden sei es gelungen, zwei IS-Fahrzeuge zu zerstören. Der Sprecher der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), Redur Chelil, erklärte, die Terrormiliz bombardiere Kobane seit den frühen Morgenstunden mit Artillerie.

Die Kurden verteidigten die Stadt «mit ihrem Blut», sagte er weiter. Die Luftangriffe der internationalen Koalition in den vergangenen Tagen hätten den IS-Vormarsch zwar verzögert, sie reichten aber nicht aus. «Unsere Menschen werden getötet und vertrieben, aber niemand kümmert sich darum», sagte er.

Die Terrormiliz versucht seit Tagen, Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Die IS-Kämpfer sind nur noch wenige Hundert Meter vom Stadtrand entfernt. Kobane liegt an der Grenze zur Türkei und ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wurde. Die Terrormiliz kontrolliert bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane. Rund 160 000 Menschen sind vor dem IS in die Türkei geflohen.

Die im syrisch-türkischen Grenzgebiet kämpfenden kurdischen Volksschutzeinheiten stehen der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Entsprechend hatte sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu dagegen ausgesprochen, Waffenlieferung an die PKK zuzulassen, selbst wenn diese die IS-Extremisten bekämpften. Der in türkischer Haft sitzende PKK-Chef Abdullah Öcalan warnte, ein Massaker des IS in Kobane würde auch den Friedensprozess der Kurden mit Ankara beenden.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten hatten in den vergangenen Tagen IS-Ziele bei Kobane angegriffen. In der Nacht auf Freitag flogen sie Angriffen im Norden und Osten Syriens. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren Explosionen in der Nähe der Stadt Dair as-Saur und in der Provinz Al-Rakka zu hören. Aktivisten berichteten von Angriffen auf den Militärflughafen Al-Tabka, den der IS von der syrischen Armee erobert hatte.

Im benachbarten Irak will sich nun auch Australien am Kampf gegen den IS beteiligen. Laut Ministerpräsident Tony Abbott billigte das Kabinett auf Bitten der irakischen Regierung den Einsatz von Kampfflugzeugen. Der IS habe der Welt den Krieg erklärt, und die Welt antworte darauf, sagte Abbott. Das Kabinett stimmte auch der Entsendung von Spezialkräften zu. Sie sollen die Iraker beraten.