Tropisches Deutschland: Hitze zieht mit Gewittern nach Osten

Ganz Deutschland fühlt sich in den sonnigen Süden versetzt. Sogar an der Nordsee kommt in warmen Nächten Tropenfeeling auf. Viele Menschen treibt es zur Abkühlung an Seen und in die Freibäder.

Tropisches Deutschland: Hitze zieht mit Gewittern nach Osten
Jens Büttner Tropisches Deutschland: Hitze zieht mit Gewittern nach Osten

Am Samstag soll der Schwerpunkt der Hitze im Osten liegen - mit bis zu 36 Grad. Die hohen Temperaturen bringen mancherorts den Asphalt auf Autobahnen zum Schmelzen. So gab es auf der Autobahn A3 zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen heftige Schäden.

Wegen der Hitzewelle hatten sich zwischen Diez und Limburg Spurrillen gebildet, der Straßenbelag senkte sich ab, wie die Autobahnpolizei am Freitag mitteilte. In Richtung Frankfurt wurden am frühen Vormittag alle drei Spuren gesperrt, dort ging es nur über den Standstreifen weiter. Erst gegen 15.00 Uhr konnte der Verkehr wieder rollen. In der Zwischenzeit verteilten rund 25 Helfer gekühlte Getränke an die Autofahrer im Stau. Im Angebot seien Wasser und Eistee gewesen, erklärte die Sprecherin des Malteser Hilfsdienstes in Limburg, Karolina Kasprzyk.

Vor allem Westdeutschland habe erneut eine Tropennacht erlebt, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad sank, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Gut 20 Grad registrierte der DWD am Freitag um vier Uhr früh auch hoch im Norden auf Helgoland, Sylt und Norderney. Wärmster Ort in Deutschland sei Duisburg gewesen mit einem nächtlichen Minimum von 23 Grad. Sehr viel frischer war es im Süden: Am Münchner Flughafen rutschte die Temperatur in der Nacht auf 10,9 Grad.

Die andauernde Hitze kurbelt den Verbrauch von Mineralwasser kräftig an: Im Juli tranken die Menschen in Deutschland rund 10 bis 15 Prozent mehr Mineralwasser als in dem gleichen Monat vor einem Jahr, teilte der Verband Deutscher Mineralbrunnen mit. Während sich der Absatz im ersten halben Jahr noch auf Vorjahresniveau bewegt habe, sei er aufgrund des guten Wetters nun stark gestiegen.

Auch den Kühen macht die Hitze zu schaffen, sie geben weniger Milch. Bei den aktuellen Temperaturen sind es zwei bis drei Kilogramm weniger als die bei normalen Werten im Schnitt üblichen 25 Kilogramm Milch pro Tag, wie der Bauernverband am Freitag mitteilte. Bei Hitze kann sich der tägliche Wasserbedarf einer Kuh auf bis zu 150 Liter verdreifachen.

Beim weltgrößten Heavy-Metal-Festival in Wacken (Schleswig-Holstein) an diesem Wochenende leiden auch die Fans an glühender Hitze. Doch die «Metalheads» wissen sich zu helfen. Am Freitag hieß es für einige: Ab in die Autowaschanlage des Ortes und einmal gründlich spülen. Das brachte Kühlung und schrubbte nebenbei auch noch die Festival-Reste von der Haut.

In den nächsten Tagen bleibt es überall weiter hochsommerlich - der blaue Himmel wird allerdings bei wachsender Schwüle ab und zu von Gewitterwolken getrübt. Die Ausläufer von Tief «Dirk» ziehen von Samstag an mit Wolkenbrüchen, Hagel und Sturmböen von West nach Ost. Die nachfolgende Kaltfront bringt keine Wetterwende: «Trotz Kaltfront wird es nicht wirklich kalt», sagte Meteorologe Ruppert in Offenbach.

Am Samstag erreicht die aktuelle Hitzewelle im Osten ihren Höhepunkt. Dann wird es dort bis zu 36 Grad heiß. Im Westen sollen es nach den Gewittern einige Grade weniger werden. Am Sonntag erwarten die Meteorologen noch 24 bis 29 Grad. Dieses Niveau soll sich bis weit in die nächste Woche halten.

Autofahrer müssen am Wochenende zudem mit Staus rechnen. Wie der ADAC bereits am Donnerstag mitteilte, könne es in allen Richtungen wegen des Rückreiseverkehrs eng werden. Während viele bayerische Schüler am Wochenende in die Ferien starten, geht für Kinder und Jugendliche in sieben nord- und ostdeutschen Bundesländern die schönste Zeit des Jahres wieder zu Ende.

Am vergangenen Wochenende hatten nach einer Hitzewelle schwere Unwetter und Hagelsturm vor allem im Osten und Süden des Landes nach neusten Schätzungen einen Schaden von fast 600 Millionen Euro verursacht. Versicherungen haben ihre Prognosen inzwischen nach oben geschraubt. Damit gilt das Unwetter als zweitschlimmstes Hagel-Ereignis in Deutschland. Zum Teil golfballgroße Hagelkörner hatten Dächer und Hausfassaden zerstört und Tausende Autos beschädigt.