Trotz harten Urteils: Akte Diren noch nicht geschlossen

Verwandte und Freunde des in den USA getöteten Hamburger Austauschschülers Diren D. haben mit gemischten Gefühlen auf die hohe Strafe für den Täter reagiert. Das Gericht in Missoula im US-Bundesstaat Montana hatte Markus K. zu 70 Jahren Haft verurteilt.

Frühestens 2035 kann er einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Markus K. hatte Diren im April 2014 erschossen, nachdem dieser nachts in seine Garage eingedrungen war.

Direns Vater Celal D. sagte der Deutschen Presse-Agentur nach der Verkündung des Strafmaßes am Donnerstag: «Ich bin nicht glücklich.» Mit Blick auf den 30 Jahre alten Täter Markus K. erklärte der Vater: «Er lebt. Er geht ins Gefängnis, aber er lebt. Mein Sohn ist tot.» Doch natürlich sei er froh, dass der Prozess jetzt überstanden sei. «Wir müssen nach Hause gehen und weitermachen.»

Zugeschlagen ist die Akte Diren D. damit noch lange nicht. Die Verteidigung kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Und auch Direns Familie gibt sich damit nicht zufrieden. Sie strebt einen zusätzlichen Zivilprozess um Schadensersatz an, wie ihr dafür engagierter Rechtsvertreter David Paoli der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Klage sei bereits eingereicht.

In Hamburg reagierte Direns Familie mit Erleichterung. «Meine Mama hat geweint», sagte Direns Schwester Basak. Bei der Familie in Hamburg waren während der Verkündung des Strafmaßes an die hundert Verwandte und Freunde. «Wir hatten eine Gebetsrunde für Diren und für einen Onkel, der vor einem Jahr gestorben ist.»

Im Internet habe sie einen Livestream gefunden. «Als die 70 Jahre verkündet wurden, haben sich viele gefreut», sagte Basak. «Aber irgendwie waren es doch gemischte Gefühle. Wichtig ist, dass der Mann im Gefängnis ist und keine anderen Menschen gefährden kann», setzte Basak D. hinzu. «Der ist doch nicht normal im Kopf.»

Direns Freund und Mannschaftskamerad beim Fußball-Club SC Teutonia von 1910, Deniz Ercin, sagte, das Strafmaß sei in Ordnung. «Eigentlich war es mir aber egal. «Wichtig war, dass der Schütze verurteilt worden ist.» «Wir denken immer noch oft an Diren, in der Schule und in der Mannschaft», sagte der 17-Jährige.

Die Geschworenen in dem Prozess kamen zu dem Schluss, Markus K. habe den Jungen in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet. Hintergrund seien vorangegangene Einbrüche ins Haus der Familie gewesen. Die Verteidigung plädierte auf Notwehr. Richter Ed McLean widersprach jetzt dieser Darstellung: «Sie haben nicht ihr Zuhause beschützt, Sie waren auf der Jagd.»

Der Hamburger Anwalt der Familie, Andreas Thiel sagte: «Für die Familie war immer das Wichtigste, dass der Täter verurteilt wird. Sie wissen, dass keine Strafe hoch genug ist, um Diren zurückzubringen.»