Trotz RB-Angebots: Vage VfL-Chance auf Wiederholungsspiel

Die Hoffnung des VfL Osnabrück auf eine zweite Pokal-Chance dürfte nach dem Skandal-Spiel vergebens sein - trotz eines ungewöhnlichen Angebotes aus Leipzig.

«Wir wollen sportlich in die nächste Runde und nicht am Grünen Tisch», sagte RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick zu der am Vorabend beim Stand von 1:0 für Osnabrück abgebrochenen Pokalpartie. Daher «bieten wir ein Wiederholungsspiel an».

Ob das Angebot Einfluss auf das Sportgerichts-Verfahren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) habe, könne er nicht beurteilen. «Das Weitere liegt nicht in unsere Händen», sagte Rangnick. Der DFB ermittelt, äußerte sich zunächst aber nicht. Beim bisher letzten Fall dieser Art vor neun Jahren, dem abgebrochenen Zweitrundenspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC, wurde die Partie zugunsten der Berliner gewertet. Die DFB-Rechtsordnung scheint auch im neuesten Fall eindeutig - ungeachtet des Wunsches der Osnabrücker.

«Eine Wiederholung wäre im Sinne des Fußballs», sagte VfL-Trainer Maik Walpurgis. Und auch Präsident Hermann Queckenstedt hoffte, «dass es ein Wiederholungsspiel gibt». Doch dem DFB bleibt wohl keine andere Wahl, als die am Montag in der 71. Minute abgebrochene Partie zugunsten des Zweitligisten zu werten - und die Osnabrücker wegen des Feuerzeugwurfes hart zu bestrafen, auch wenn es Schiedsrichter Martin Petersen nach Medien-Angaben gutgeht.

Der VfL steht in der 3. Liga unter besonderer Beobachtung, weil seine Ultras schon häufiger unangenehm aufgefallen sind - vor allem bei den brisanten Derbys gegen Preußen Münster. Erst im Mai verurteilte das Sportgericht des DFB den Club zu einer Geldstrafe von 14 000 Euro und verhängte zusätzlich eine Bewährungsstrafe: Komme es in den nächsten acht Monaten zu vergleichbaren Vorfällen, müsse der VfL Teile der Tribüne sperren, hieß es damals.

Die Osnabrücker haben offensichtlich ein Fan-Problem. Es war auch am Montagabend nicht nur «ein einzelner Chaot, der alles kaputt macht», wie es der VfL-Trainer ausdrückte. Zwar wurde Schiedsrichter Petersen von einem roten Feuerzeug am Kopf getroffen, das aus der Ostkurve geworfen wurde. Fotos zeigen aber auch, dass auf dem Rasen noch ein zweites Feuerzeug lag - neben mehreren Bierbechern. In der aufgeheizten Stimmung hatten also mehrere VfL-Anhänger die Nerven und die Beherrschung verloren.

Das sah auch Rangnick so. Nach seinen Angaben flogen «das ganze Spiel» über Feuerzeuge, Trinkbecher und andere Wurfgegenstände in Richtung der Gäste-Profis sowie der Auswechselspieler beim Warmlaufen. Zudem seien RB-Profis und der Athletik-Trainer bespuckt worden. «Es war demnach definitiv nicht nur ein Einzeltäter, dessen Handeln später zu dem für alle Seiten bedauerlichen Spielabbruch führte», meinte Rangnick. «Natürlich hätten gestern mehrere andere Leute noch getroffen werden können.»

Das sehen auch die Osnabrücker so. «Derjenige, der das geworfen hat, hat in Kauf genommen, dass dort Menschen verletzt werden - sogar Spieler der eigenen Mannschaft. Für solche Chaoten habe ich kein Verständnis», sagte VfL-Abwehrspieler Alexander Dercho der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Neben dem Imageschaden hat das Skandal-Spiel für den VfL auch wirtschaftliche Auswirkungen. «Das kostet uns im schlimmsten Fall mal eben 500 000 Euro», lautete die erste Kalkulation von Osnabrücks Geschäftsführer Jürgen Wehlend: Er zählte auf: «Mögliche entgangene Einnahmen aus der zweiten Runde, drohende Strafen, vielleicht eine Platzsperre.» Das würde den finanziell klammen Drittligisten schwer treffen, der ohnehin nur aufgrund der geduldigen Gläubiger noch existiert.

Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, sie laufen nach Angaben der Polizeiinspektion Osnabrück auf Hochtouren. «Ein Tatverdächtiger konnte bislang noch nicht ausgemacht werden», teilte Polizeisprecherin Mareike Kocar mit. VfL-Präsident Queckenstedt sagte über den Werfer: «Nach unseren Informationen ist er auf Fernsehaufzeichnungen auszumachen.» Es sei «schade, dass so ein Chaot all die Bemühungen, die wir im Vorfeld unternommen haben, zunichtemacht. Wenn wir ihn finden, werden wir Konsequenzen ergreifen.»