Trotz TÜV: UEFA beharrt auf Einsatz des Freistoßsprays

Die UEFA zeigt sich vom TÜV-Gutachten zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch das Freistoßspray wenig beeindruckt. Die Europäische Fußball-Union beharrt auf dem Einsatz des seit der WM in Brasilien bekannten Schaums in den Spielen der Champions League und der Europa League.

Trotz TÜV: UEFA beharrt auf Einsatz des Freistoßsprays
Facundo Arrizabalaga Trotz TÜV: UEFA beharrt auf Einsatz des Freistoßsprays

Vor der Partie des FC Schalke 04 in der Champions League gegen NK Maribor am Dienstagabend teilte die UEFA mit, dass sie «Sofortmaßnahmen ergriffen und den Schiedsrichtern noch detailliertere Informationen zur Verwendung des Freistoßsprays gegeben» habe.

Zudem werde der Verband den Anbieter auffordern, die Angaben auf der Verpackung zu korrigieren, oder den Anbieter gegebenenfalls wechseln. «Aus diesen Gründen vertritt die UEFA die Ansicht, dass das Freistoßspray weiterhin in ihren Wettbewerben verwendet werden kann; die Schiedsrichter werden das Produkt auch weiterhin gemäß den von der UEFA erteilten Anweisungen einsetzen.»

Am Freitag war ein von der «Bild»-Zeitung in Auftrag gegebenes Gutachten des TÜV Rheinland bekanntgeworden, wonach das Spray aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland und EU-weit nicht benutzt werden dürfe. Auch sei der Treibgasanteil so hoch, dass eine Gefahrstoffkennzeichnung für hochentzündliche Produkte zwingend sei.

Der UEFA sei nun bekannt, dass auf der Sprühdose nicht alle relevanten Informationen in korrekter Form angegeben sind, hieß es in der Mitteilung. Das Produkt könne «innerhalb der EU jedoch ohne Einschränkungen verwendet werden, da es keine Substanzen enthält, welche ein Verbot der Verwendung des Sprays erfordern», stellte die UEFA ihren Standpunkt klar.

Laut eines Sprechers der Stadtverwaltung Gelsenkirchen braucht der Schiedsrichter des Schalke-Spiels, der Spanier Carlos Velasco Carballo, nicht das Ordnungsamt fürchten, sollte er das Freistoßspray am Dienstagabend anwenden. «Wir werden als Ordnungsamt nicht darauf aufpassen, ob ein Spray benutzt wird oder nicht, sondern gehen davon aus, dass alles ordnungsgemäß abläuft», sagte Martin Schulmann der Nachrichtenagentur dpa.

Es sei wie mit dem Wegwerfen von Zigaretten, was auch eine Ordnungswidrigkeit ist: «Wir gehen erstmal davon aus, dass jeder Raucher sie richtig entsorgt.» Außerdem könne man doch gar nicht wissen, was für ein Spray benutzt wird, falls es zum Einsatz komme.

Nach Planungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) soll der Schaum vom 8. Spieltag (18./19. Oktober) an in der Bundesliga benutzt werden. Auch für die 2. Runde des DFB-Pokals Ende Oktober ist der Einsatz vorgesehen. Seit dieser Saison wird der Schaum schon in den Europapokal- und EM-Qualifikationsspielen angewendet. Die Verbände in England, Frankreich, Italien und Spanien haben das Spray ebenfalls eingeführt.

Der DFB hatte nach Bekanntwerden des TÜV-Gutachtens mitgeteilt, dass man unabhängig davon bereits seit Wochen mit anderen Anbietern in Gesprächen sei, «um nach Alternativen zu dem kostenintensiven Import aus Argentinien zu schauen». Der Erfinder des Freistoß-Sprays, der Argentinier Pablo Silva, drohte am Wochenende mit rechtlichen Schritten, sollte der Deutsche Fußball-Bund ein ähnliches Produkt von einem anderen Produzenten verwenden.