Trümmer zwischen Olivenbäumen - Zugunglück schockiert Italien

«Es ist eine Katastrophe, als wäre ein Flugzeug abgestürzt.» Der Bürgermeister der Stadt Corato in Süditalien, Massimo Mazzilli, ist erschüttert.

Trümmer zwischen Olivenbäumen - Zugunglück schockiert Italien
Luca Turi Trümmer zwischen Olivenbäumen - Zugunglück schockiert Italien

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht er Bilder, die Schreckliches erahnen lassen. Zwei Regionalzüge stoßen nördlich der Stadt Bari zusammen. Die ersten beiden Waggons der beiden Züge sind ineinander verkeilt, vollkommen zerstört. Schwer vorstellbar, wie man dort lebend herauskommt.

Es ist ein glühend heißer Sommertag in Apulien, als gegen 11.30 Uhr auf einer eingleisigen Strecke zwischen den Orten Corato und Andria eines der schwersten Zugunglücke des Landes passiert. Die Strecke liegt an einem Acker, in einem Olivenhain. Benutzt wird sie vor allem von Pendlern und Studenten.

Der Unfall ruft Erinnerungen an das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling wach: Im Februar starben zwölf Menschen, als auf der ebenfalls eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen zwei Nahverkehrszüge frontal ineinander rasten.

«Die Lage ist dramatisch», sagt der Vizechef der Region Apulien, Antonio Nunziante. Wie viele Tote es gibt, ist lange nicht klar. Erst heißt es vier, dann elf, dann zwanzig. Dutzende sollen verletzt sein. Die Behörden sind sich sicher, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Es wird zu Blutspenden aufgerufen.

Wer die Bilder von den verkeilten und zersplitterten Waggons sieht, kann nur von dem Schlimmsten ausgehen. Trümmer liegen auf den Feldern und zwischen Bäumen. Die Regionalzüge hatten jeweils vier Waggons, auf Bildern ist zu erkennen, wie mindestens die ersten beiden von jedem Zug vollkommen zerstört sind. Nach Medienberichten wurde auch ein Kleinkind lebend aus den Trümmern gezogen und per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

Die ersten Helfer, die am Unglücksort eintreffen, sind schockiert. «Grauenhafte Szenen, schreckliche, habe ich gesehen», erzählt ein Polizist der Nachrichtenagentur Ansa. «Ich habe Tote gesehen, andere, die nach Hilfe riefen, Menschen, die weinten. Die schlimmsten Szenen in meinem Leben.» Die Helfer können den Ort anscheinend nur schwer erreichen. Ein Zelt ist aufgebaut, in dem die Opfer behandelt werden. Familienangehörige versammeln sich.

Was zu dem Unglück geführt hat, muss erst ermittelt werden. Menschliches Versagen wird nicht ausgeschlossen. Betrieben wird der Zug von dem privaten Unternehmen Ferrotramviaria.

In sozialen Netzwerken entlud sich die Wut einiger Nutzer sogleich an der Tatsache, dass es sich um eine eingleisige Strecke handelte. Niemand wolle in den Ausbau der Bahnstrecken investieren, kritisieren sie. Premierminister Matteo Renzi forderte eine schnelle Aufklärung des Unglücks und kündigte einen Besuch am Unglücksort an. «Wir werden nicht ruhen, bis wir wissen, was passiert ist.»

Das Zugunglück gehört zu den schlimmsten in Italien. 2005 waren auf einer ebenfalls eingleisigen Linie zwischen Bologna und Verona bei einem Zusammenstoß 17 Menschen ums Leben gekommen. Damals gerieten die Regierung und die staatliche Eisenbahn in die Kritik, weil sie die Pläne zum Bau eines zweiten Gleises seit Jahren verschleppt hätten.