Trump als Präsidentschaftskandidat nominiert

Im Moment seines größten Triumphes war Donald Trump gar nicht da. Der Parteitag der US-Republikaner nominierte ihn am Dienstag (Ortszeit) in Cleveland zum Präsidentschaftskandidat.

Trump als Präsidentschaftskandidat nominiert
David Maxwell Trump als Präsidentschaftskandidat nominiert

Der Immobilienmilliardär selbst war in seinem New Yorker Hauptquartier im Trump Tower und bedankte sich von dort in einer Videobotschaft. «Ich bin so stolz, der Nominierte zu sein», sagte er. Am Donnerstag soll er seinen großen Auftritt haben und die Nominierung annehmen - eine Formsache zwar, aber erst dann steht sie hundertprozentig fest.

In einer zeremoniellen Abstimmung erhielt der politische Quereinsteiger die nötige Mehrheit der Delegierten. Der Reihe nach verkündete jeder Bundesstaat lautstark, wie viele Delegierte er für Trump in die Waagschale wirft. Trump hatte in den Vorwahlen die nötige Hürde von 1237 Delegierten genommen. In Cleveland wurden 1725 Stimmen für ihn gezählt; sein ärgster Verfolger, Senator Ted Cruz aus Texas, kam auf 475 Delegierte.

Die formal entscheidenden Stimmen kamen aus New York, Trumps Heimat. Sein Sohn Donald Jr. verkündete sie. Die Halle brach in Jubel und Gesänge aus, ein großer Videowürfel blendete Feuerwerk ein, Frank Sinatras Song «New York, New York» erklang aus den Lautsprechern.

Der zweite Tag des «Convention» stand unter dem Motto «Make America Work Again» (in etwa: Amerika wieder zum Funktionieren bzw. Arbeiten bringen). Das größte Thema war aber dem Anschein nach Trumps voraussichtliche Wahlkampfgegnerin aus dem Lager der Demokratischen Partei, Hillary Clinton. Umfrage-Guru Nate Silver schrieb in seinem angesehenen Blog «FiveThirtyEight», der Name «Clinton» sei in den Reden vom Dienstag 79 Mal genannt worden - noch häufiger als «Trump» mit 61 Erwähnungen. Variationen des Wortes «Arbeit» hingegen kamen demnach nur auf 48 Nennungen.

Besonders der Gouverneur von New Jersey und Vorwahlen-Gegner von Trump, Chris Christie, hatte es auf Clinton abgesehen. In seiner Rede zählte er die angeblichen Vergehen der früheren First Lady und Außenministerin auf, darunter ihr E-Mail-Skandal, das Atomabkommen mit dem Iran und der «Ruin» von Libyen. Nach jedem Punkt fragte er das Publikum, ob Clinton schuldig oder unschuldig sei. «Schuldig!», lautete unweigerlich die Antwort. Es kam auch zu dem Sprechchor «Sperrt sie ein!»

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, der Trump lange nicht unterstützen mochte, rief die Partei eindringlich zur Einigkeit auf. «Stehen wir zusammen, bleiben wir zusammen», sagte er. «Einigkeit ist alles.»

Zu den Rednern gehörten außerdem der ebenfalls in den Vorwahlen gescheiterte Präsidentschaftsbewerber Ben Carson, der am Dienstag noch sieben Delegiertenstimmen erhielt, sowie Trumps Kinder Tiffany und Donald Jr. Zwei Sätze der Rede des Sohnes waren nahezu wortgleich in einem Artikel der Zeitschrift «The American Conservative» erschienen, wie die Satire-Sendung «The Daily Show» per Twitter erklärte. Am Vortag hatte es Plagiatsvorwürfe gegen seine Stiefmutter Melania gegeben, weil sie in ihrer Rede teils identische Passagen verwendet hatte wie First Lady Michelle Obama auf dem Nominierungsparteitag von Barack Obama im Jahr 2008.

Per Akklamation wurde auch Mike Pence, Gouverneur von Indiana, als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominiert. Sein formales Ja wird in seiner Rede am Mittwoch erwartet.

Nachdem sich bereits die Rockband Queen beschwert hatte, weil ihr Song «We Are the Champions» am ersten «Convention»-Tag verwendet worden war, meldeten sich am Dienstag ihre Kollegen von Earth, Wind & Fire per Twitter zu Wort. Sie hätten nicht ihre Zustimmung gegeben, das Lied «September» auf dem Parteitag zu nutzen, hieß es.

In der Innenstadt von Cleveland kam es wieder zu Demonstrationen. Besonders auf dem Public Square, einem speziell als Protest-Ort ausgewiesenen Platz nahe der Parteitagsarena, gerieten am Nachmittag (Ortszeit) mehrere Gruppen mit einigen Dutzend Trump-Anhängern aneinander.

Nach Polizeiangaben vom Abend gab es bei den Protesten aber zunächst keine Festnahmen oder Verletzten. Als sich die Stimmung allmählich aufheizte, verhinderte die Polizei eine Eskalation.