Tuchel Top-Anwärter beim BVB - Viel Arbeit für Zorc

Wie geht es weiter bei Borussia Dortmund nachdem Jürgen Klopp seinen Abschied zum Saisonende verkündet hat? Trainer Thomas Tuchel bleibt der heißeste Nachfolgekandidat. Auch im Spielerkader wird sich einiges ändern.

Tuchel Top-Anwärter beim BVB - Viel Arbeit für Zorc
Daniel Naupold Tuchel Top-Anwärter beim BVB - Viel Arbeit für Zorc

Auf Sportdirektor Michael Zorc wartet viel Arbeit. Zorc würde Leistungsträger wie Mats Hummels und Ilkay Gündogan gern halten.

Thomas Tuchel bleibt der heißeste Trainerkandidat, ist aber nicht der einzige. Beispielsweise werden in Dortmund auch Markus Weinzierl (Augsburg) oder Lucien Favre (Mönchengladbach) sehr geschätzt. Theoretisch käme auch ein Trainer aus einer ausländischen Liga infrage; das ist nach den Erfahrungen mit Nevio Scala und Bert van Marwijk aber unwahrscheinlich. Clubchef Hans-Joachim Watzke und Zorc werden den Coach mit Bedacht auswählen, sich aber nicht ewig Zeit lassen, weil der Neue in die Planungen der kommenden Saison eingebunden werden soll.

Vieles. Er passt in das BVB-Profil. Tuchel ist mit 41 Jahren noch jung, hat aber bereits viel Bundesliga-Erfahrung gesammelt und Klopps Arbeit in Mainz erfolgreich fortgeführt und verfeinert. Seine Spielphilosophie ist der von Klopp sehr ähnlich. Die BVB-Profis könnten sich schnell darauf einstellen und Tuchels Vorstellungen umsetzen. Zudem ist der ehemalige Mainzer nach seiner einjährigen Auszeit ausgeruht und im Gegensatz zu anderen Aspiranten vertraglich ungebunden. Er könnte praktisch sofort in alle Planungen eingebunden werden. Laut Medienberichten ist sich der BVB mit Tuchel schon so gut wie einig.

Schwer abzuschätzen. Angeblich wechselwillige Leistungsträger wie Mats Hummels oder Ilkay Gündogan werden abwarten, wer der neue Trainer wird. Beide haben noch Verträge, Hummels könnte im Sommer jedoch von finanzkräftigen Interessenten herausgekauft werden. Der Weltmeister steht besonders in England hoch im Kurs. Mit Gündogan würde Zorc den 2016 auslaufenden Kontrakt gern verlängern. Ausgang offen. Andere Profis, die in dieser Saison enttäuschten, müssen abwarten, was der neue Coach plant. Die Karten werden neu gemischt.

Möglicherweise bewirkt die Gewissheit bei allen eine Befreiung. Die Mannschaft ist laut Aussagen einiger Profis entschlossen, Klopp einen würdigen Abschied zu bereiten. Das gelingt indes nur mit Erfolgen. Die BVB-Fangemeinde ist jetzt zwar traurig, wird ihren scheidenden Erfolgstrainer und das Team aber bis zum letzten Spiel bedingungslos unterstützen. Im Heimspiel gegen Werder Bremen am letzten Spieltag (23. Mai) werden im Signal Iduna Park reichlich Tränen fließen.

Die Trennung von Klopp, der sich beim BVB am Ende seines Weges sah, bietet die Chance zur Erneuerung. Alle Verantwortlichen sollten sie nach dem ersten Trennungsschmerz nutzen. Es gibt ein BVB-Leben nach Klopp. Er selbst bescheinigt dem Club eine rosige Zukunft, auch weil einige große Talente nachrücken. «Der Verein hat eine fantastische Basis, einen tollen Kader. Da könnte ich jetzt schon heulen, dass ich diese Jungs nicht mehr trainieren darf», sagte Klopp. Der neue Trainer wird zudem optimale Strukturen mit einer erfahrenen Führung vorfinden. Es gibt sicher kaum einen Trainer, der ein Dortmunder Angebot ablehnen würde. Durch die Erfolge der vergangenen Jahre hat sich der BVB in ganz Europa einen exzellenten Ruf erworben.

Er betonte ausdrücklich, dass er keine Müdigkeit verspüre und dementsprechend kein Sabbatjahr oder eine längere Pause brauche. Er habe nichts in der Hinterhand, versicherte er. Die Interessenten werden Schlange stehen. «Um Klopps Zukunft muss man sich nicht sorgen. Er kann fast alle Clubs der Welt haben», stellte Franz Beckenbauer in seiner «Bild»-Kolumne fest. Schon lange haben vor allem englische Topvereine ein Auge auf Klopp geworfen. Sein Weg könnte auf die Insel führen, womöglich zu Manchester City oder zum FC Liverpool. Ein Engagement in der Bundesliga scheint zurzeit ausgeschlossen. Wohin sollte er gehen?

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Dazu müsste der DFB-Pokalsieg her. Der BVB muss im Halbfinale bei Bayern München antreten. Trotz der verkorksten Saison hat das Team genug Klasse, um an einem Sahnetag auch in München einen Sieg zu landen. Es wäre nicht der erste. Dass die Bayern nicht unverwundbar sind, hat der FC Porto am Mittwoch beim 3:1 in der Champions League eindrucksvoll demonstriert. Der Pokalsieg in Berlin wäre für Klopp ein grandioser Schlusspunkt.