Tui überrascht mit Gewinn und Dividende

Überraschender Erfolg für den neuen Tui-Chef Friedrich Joussen: Eine starke Nachfrage nach Exklusivreisen und die Trennung von unrentablen Geschäften haben Europas größtem Reisekonzern Tui wieder in die Gewinnzone verholfen.

Für das Geschäftsjahr 2012/2013 (bis Ende September) stand unterm Strich ein Überschuss von 4,3 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Tui noch 15,1 Millionen Euro Verlust verbucht. Analysten hatten mit einem Minus gerechnet. Die Börse reagierte mit einem kräftigen Kurssprung.

Joussen, der den Konzern seit Februar führt, lässt den Aktionären die erste Dividende seit 2007 auszahlen - sie beträgt 0,15 Cent pro Anteilsschein. Der Konzern lässt sich dieses «wichtige Signal an die Aktionäre» - wie es Joussen nannte - insgesamt 38 Millionen Euro kosten. Fürs laufende Jahr peilt er Umsatzsteigerungen von 2 bis 4 Prozent sowie von 6 bis 12 Prozent beim bereinigten Ergebnis (Ebita) an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Umsatz auf 18,5 Milliarden (Vorjahr: 18,3 Mrd.) zu. Das Ergebnis verbesserte sich auf 762 Millionen Euro (Vorjahr:746 Mio).

Reduziert wurde die Nettoverschuldung: Sie lag am Bilanzstichtag bei 68 Millionen Euro (Vorjahr: 178 Mio Euro). Joussen sprach von einem «quasi schuldenfreiem Unternehmen» und wertete das Ergebnis als Erfolg seines eingeleiteten Strukturwandels - seit seinem Amtsantritt im Februar trimmt er den Konzern auf Sparkurs.

Trotz der Belastungen durch das Sparprogramm «oneTUI», würden die Maßnahmen des Strategieprogramms bereits greifen. Im abgelaufenen Jahr drückte der Umbau jedoch mit 57 Millionen Euro aufs Ergebnis. Der Konzern streicht in der Zentrale jede zweite Stelle. Beraterverträge seien beendet worden, zwei Industriegrundstücke in Berlin-Tempelhof und in Kiel seien für 55 Millionen Euro verkauft worden, was sich im kommenden Geschäftsjahr positiv bemerkbar machen werde.

Während das Griechenland-Geschäft zu den Wachstumstreibern gehörte, blieb das Tourismus-Geschäft in Russland und vor allem Frankreich problematisch. «Der französische Markt ist ein schwieriger Markt, das ist vor allem dem Thema Nordafrika geschuldet», sagte Joussen mit Blick auf die Instabilität in der Region und die regionalen Vorlieben französischer Urlauber. Eine Restrukturierung in Frankreich sei daher eingeleitet. Während das Kreuzfahrtgeschäft der Hapag Lloyd weiter schwächelt, legte es bei der Tui Cruises zu.

Die guten Ergebnisse der englischen Tochter Tui Travel seien durch einen schlechten Wechselkurs des britischen Pfund gegenüber dem Euro beeinträchtigt worden, hieß es weiter. Für die Hotelsparte des Konzerns geht das Unternehmen von einem Zuwachs zwischen zwei und sieben Prozent aus. Joussens Hoffnung auf baldigen Ausstieg aus der verlustreichen Container-Schifffahrt wird beflügelt durch Fusionsgespräche der Reederei Hapag-Lloyd mit der Konkurrentin CSAV aus Chile. Tui hält noch 22 Prozent der Anteile an ihrer früheren Tochter Hapag-Lloyd.