Tunesien: Festnahmen nach schweren sozialen Unruhen

Nach den schwersten sozialen Unruhen in Tunesien seit dem Ausbruch des arabischen Aufstands vor fünf Jahren haben Sicherheitskräfte mehr als 260 Menschen festgenommen.

Sie sollen in Akte von Vandalismus und Gewalt verwickelt gewesen sein, berichtete der lokale Radiosender Shems FM am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher des tunesischen Innenministeriums. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre habe es am Abend zuvor in einigen Regionen Zusammenstöße gegeben. Am späteren Abend sei Ruhe eingekehrt.

Die teilweise gewaltsamen Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Lage und hohe Arbeitslosigkeit hatten vor einer Woche in Kassérine im Westen des Landes begonnen. Sie dehnten sich in der Nacht zum Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes aus. Demonstranten griffen nach Behördenangaben in mehreren Städten Posten der Polizei an und setzten deren Wagen in Brand.

Ministerpräsident Habib Essid sagte am Samstag nach einer Sondersitzung des Kabinetts, das Land stehe vor großen Herausforderungen. Seine Regierung arbeite daran, ihnen zu begegnen. Präsident Béji Caïd Essebsi hatte zuvor fremde Kräfte für das Chaos verantwortlich gemacht. Einflüsse von außen gefährdeten Sicherheit und Stabilität. Tunesien ist einzige arabische Land, dass nach den Aufständen den Übergang in die Demokratie geschafft hat.