Deutsche unter den Toten bei Anschlag in Tunesien

Unter den Opfern des blutigen Terroranschlags im tunesischen Badeort Sousse mit mindestens 39 Toten sind nach offiziellen Angaben auch Deutsche - ihr Zahl ist aber weiter unklar. Regierungschef Habib Essid bestätigte am frühen Morgen, dass es deutsche Opfer gebe, nannte aber keine Zahl.

Deutsche unter den Toten bei Anschlag in Tunesien
Andreas Gebert Deutsche unter den Toten bei Anschlag in Tunesien

Unter den Toten seien auch Briten, Belgier und Franzosen. 30 Menschen wurden verletzt. Zu dem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff auf ein Strandhotel am Mittelmeer bekannten sich in der Nacht Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Regierung in Tunis kündigte einen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus an.

«Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitagabend in Berlin. Nach Angaben des Sprechers eines deutschen Konsularteams vor Ort kann es noch einige Zeit dauern, bis klar ist, ob und wie viele Deutsche ums Leben kamen. Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse.

Im Auswärtigen Amt hieß es dazu, der Krisenstab der Bundesregierung und die deutsche Botschaft in Tunis bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung. Dazu gab es bis zum frühen Morgen keine neuen Erkenntnisse. Erst im März waren bei einem Überfall von Islamisten auf ein Museum in Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden.

Der Angriff auf das Hotel «Imperial Marhaba» in Sousse - 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis - geht nach Essids Angaben auf das Konto eines tunesischen Studenten. Er wurde von Sicherheitskräften getötet. Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am belebten Strand. Dort lagen auch nach Stunden noch Leichen von Urlaubern, von Handtüchern bedeckt.

In einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung übernahmen Unterstützer der IS-Terrormiliz die Verantwortung für den Anschlag. Ein «Soldat des Kalifats» habe den «abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens» angegriffen, hieß es.

Der nationale Sicherheitsrat Tunesiens beschloss bei einer nächtlichen Sitzung Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus. Unter anderem sollen innerhalb einer Woche bis zu 80 Moscheen geschlossen werden, in denen weiterhin «Gift zum Terrorismus» verbreitet werde. Daneben sollten verdächtige Parteien oder Vereine überprüft und eventuell aufgelöst werden. «Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen», sagte Essid. Der Kampf gegen den Terrorismus sei nun eine nationale Aufgabe.

Neben dem Anschlag in Tunesien war es am Freitag auch in Kuwait und Frankreich zu mutmaßlich islamistischen Anschlägen mit vielen Toten gekommen. Arabische Medien sprachen von einem «schwarzen Freitag des Terrorismus». Unter anderem schrieb die libanesische Zeitung «An Nahar», dass «die Welt von drei Anschlägen geschockt» sei.

Ob die drei Anschläge in Zusammenhang stehen, war zunächst unklar. Am Montag nächster Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Kalifat ausgerufen hat.

Der australische Premier Tony Abbott äußerte sich entrüstet über die Anschlägen, die zeigten dass «der Todeskult» der Islamisten allmählich «nach uns greift». «Wir mögen uns nicht im Krieg mit ihnen fühlen, aber sie sind sicherlich der Ansicht, dass sie sich im Krieg mit uns befinden», sagte er am Samstag. Für Terror würden lediglich «ein Messer, eine Fahne, eine Telefon mit Kamera und ein Opfer» benötigt. «Das ist die düstere Realität, vor der die Welt steht.»