Mindestens ein Deutscher unter Terroropfern von Tunesien

Unter den 38 Opfern des Terroranschlags in Tunesien ist mindestens ein Deutscher. Wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstagabend in Berlin mitteilte, wurde zudem mindestens eine weitere Deutsche verletzt.

Es zudem nicht völlig ausgeschlossen, dass noch einige weitere Deutsche unter den Opfern sind. Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministerium dürfte es sich bei der Mehrzahl der Opfer um Briten handeln. Generalbundesanwalt Harald Range leitete ein Ermittlungsverfahren ein und beauftragte das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Untersuchungen.

Zu dem Angriff auf das Strandhotel am Mittelmeer bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung hieß es, ein «Soldat des Kalifats» habe den «abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens» angegriffen. Der Attentäter war von Sicherheitskräften erschossen worden.

Tunesiens Regierungschef Habib Essid kündigte an, der Kampf gegen den Terrorismus sei nun nationale Aufgabe. Der nationale Sicherheitsrat beschloss, bis zu 80 Moscheen zu schließen, in denen Extremisten verkehren sollen. Außerdem sollen verdächtige Parteien oder Vereine eventuell aufgelöst werden. «Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen», sagte Essid.

Auch Frankreich will als Konsequenz aus dem Terroranschlag von Lyon die Sicherheitskräfte aufstocken. Das kündigte Innenminister Bernard Cazeneuve nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts mit Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius an. Bei Polizei und Gendarmerie sollen 500 neue Stellen pro Jahr geschaffen werden, die Nachrichtendienste mit 1500 neuen Mitarbeitern verstärkt werden.

Hollande hatte bereits am Freitag die höchste Sicherheitsstufe für 158 Industriebetriebe der Region Rhône-Alpes angeordnet, die wegen der Verarbeitung gefährlicher Materialien besonderem Schutz unterliegen. Der 35-jährige Yassin S. hatte zuvor ein Werk für Industriegase in Saint-Quentin-Fallavier überfallen und seinen 53 Jahre alten Chef enthauptet. Möglicherweise plante er, die Fabrik in die Luft zu sprengen.

Der Attentäter, Vater von drei Kindern, befindet sich mit seiner Ehefrau und einer Schwester in Polizeigewahrsam. Nach Medienangaben schweigt er. Der Mann war den französischen Behörden wegen Verbindungen zur radikalislamistischen Szene schon 2006 aufgefallen, stand jedoch nicht mehr unter Beobachtung.

Der Täter von Sousse wiederum studierte nach bisherigen Erkenntnissen Elektro-Ingenieurswesen, und zwar in der Stadt Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte am Freitag das Hotel «Imperial Marhaba» in dem Mittelmeerort überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet.

Der britische Premierminister David Cameron bereitete die Öffentlichkeit auf weitere schlimme Nachrichten aus Tunesien vor. «Viele von denen, die starben, waren Briten», sagte er im BBC-Fernsehen. Nach Angaben des irischen Außenministeriums ist auch eine Frau aus Irland unter den Opfern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Tunesien in einem Telefonat mit Präsident Beji Caid Essebsi Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will am Montag an den Ort der Terrorattacke reisen. Für Deutschland ergibt sich nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums «nach derzeitigen Erkenntnissen keine weitere Verschärfung der Sicherheitslage». Die Gefährdung durch Dschihadisten und internationalen Terrorismus sei «unverändert hoch».

In Tunesien droht der Anschlag dem Tourismussektor massiv zu schaden. Reiseveranstalter bieten ihren Kunden an, kostenlos umbuchen oder stornieren zu können - der Konzern Tui flog in der Nacht zum Samstag bereits die ersten 80 Gäste aus. Das Unternehmen berichtet von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Britische Anbieter stellten mindestens zehn Flugzeuge bereit, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen.

Neben dem Anschlag in Tunesien hatte es am Freitag auch in Kuwait ein Attentat gegeben, zu dem sich die Terrormiliz IS in den sozialen Medien bekannte. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht. Kuwaitische Behörden nahmen nach dem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee 18 Tatverdächtige fest, wie der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete. Bei dem Attentat wurden mindestens 27 Gläubige getötet und 227 verletzt.

Ob die drei Anschläge in Zusammenhang stehen, war zunächst unklar. Am Montag kommender Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz IS ein Kalifat ausgerufen hat.