Tunesien: Mindestens ein Deutscher unter Terroropfern

Unter den 39 Toten des Terroranschlags auf den tunesischen Badeort Sousse ist nach Angaben aus Tunis mindestens ein Deutscher. Eine deutsche Frau sei zudem verletzt worden, teilte das tunesische Gesundheitsministerium mit.

Demnach wurden bislang zehn Opfer identifiziert. Unter ihnen seien außerdem acht Briten und eine Belgierin.

Tunesiens Regierungschef Habib Essid hatte am frühen Samstagmorgen erklärt, dass «die Mehrheit» der Toten aus Großbritannien komme. Nach Angaben des Sprechers eines deutschen Konsularteams vor Ort kann es noch einige Zeit dauern, bis klar ist, viele Deutsche insgesamt ums Leben kamen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte für Samstagabend eine Stellungnahme in Berlin an.

Der mutmaßliche Täter war ein tunesischer Student, der am Freitag das Hotel «Imperial Marhaba» in Sousse überfallen hatte, rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt. Laut Augenzeugen zückte er am belebten Strand des Hotelkomplexes eine Waffe und eröffnete das Feuer. Sicherheitskräfte töteten ihn. Zu dem Angriff bekannten sich in der Nacht zum Samstag - in einem nicht verifizierbaren Tweet - Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat.

Der britische Premierminister David Cameron bereitete die Öffentlichkeit auf weitere schlimme Nachrichten aus Tunesien vor. «Viele von denen, die starben, waren Briten», sagte er im BBC-Fernsehen. Das Außenministerium in London hatte zunächst fünf britische Todesopfer bestätigt. Nach Angaben des irischen Außenministeriums ist auch eine Frau aus Irland unter den Opfern. 

Die Regierung in Tunis kündigte einen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus an. Unter anderem sollen innerhalb einer Woche bis zu 80 Moscheen geschlossen werden, in denen weiterhin «Gift zum Terrorismus» verbreitet werde. Daneben sollten verdächtige Parteien oder Vereine überprüft und eventuell aufgelöst werden.

Der britische Premier Cameron sagte: «Diese Terroristen werden keinen Erfolg haben. So sehr sie versuchen, die Menschen in aller Welt zu entzweien, so sehr werden sie uns nur enger zueinander bringen und in unserer Entschlossenheit vereinen, diese islamistischen Extremisten zu besiegen - und alles, wofür sie stehen.»  

Der Anschlag droht dem Tourismussektor Tunesiens massiv zu schaden. Reiseveranstalter bieten ihren Kunden an, kostenlos umbuchen oder stornieren zu können - der Konzern Tui flog in der Nacht zum Samstag bereits die ersten 80 Gäste aus. Das Unternehmen berichtet von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Britische Anbieter stellten mindestens zehn Flugzeuge bereit, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen.

Neben dem Anschlag in Tunesien war es am Freitag auch in Kuwait und Frankreich zu mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen mit vielen Toten gekommen. Kuwaitische Behörden nahmen nach dem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee 18 Tatverdächtige fest, wie der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete. Bei dem Attentat wurden mindestens 27 Gläubige getötet und 227 verletzt.

Frankreich verhängte nach dem Terroranschlag auf ein Werk für Industriegase bei Lyon die höchste Sicherheitsstufe für Industrie-Anlagen. Der 35 Jahre alte Täter mit islamistischem Hintergrund hatte die Industriegasfabrik überfallen - möglicherweise plante er, sie in die Luft zusprengen. Nachdem er am Tatort überwältigt worden war, wurde die Leiche eines Geschäftsmannes entdeckt. Das Opfer soll der Chef des Terroristen gewesen sein.

Ob die drei Anschläge in Zusammenhang stehen, war zunächst unklar. Am Montag nächster Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Kalifat ausgerufen hat.