TV-Italien liebt Commissario Montalbano

Tiefgründige Handlungen, eine Verwurzelung in Sizilien und ein Schuss Gesellschaftskritik: Mit dieser Mischung zieht die Krimiserie «Commissario Montalbano» Folge für Folge Millionen Italiener vor die TV-Bildschirme.

TV-Italien liebt Commissario Montalbano
RAI TV-Italien liebt Commissario Montalbano

Nach 26 Episoden in 14 Jahren sind die Filme um Salvo Montalbano - basierend auf den Büchern des italienischen Autors Andrea Camilleri - nach wie vor die beliebtesten Sendungen in Italien. Sie stechen aus dem Einheitsbrei des Fernsehens hervor. Sie passen sich nicht der oft üblichen Mischung aus seichten Shows, Serien, Hollywood- und Zeichentrick-Filmen an.

Seit 14 Jahren ermittelt Luca Zingaretti alias Salvo Montalbano bereits. Trotzdem kommen selbst die Wiederholungen auf beste Einschaltquoten und rund 30 Prozent Marktanteil - eine vergleichbar erfolgreiche Sendung gibt es nicht. Bis zu siebenmal werden die Folgen jeweils gezeigt. Von den zehn beliebtesten Sendungen in Italien in den Jahren 2012 und 2013 waren sieben Montalbano-Krimis. International feiert die Serie ebenfalls Erfolge, sie wurde schon in mehrere Sprachen übersetzt. Auch das ZDF strahlte einige Filme aus.

Und neue Folgen sind schon wieder in Arbeit. Die erste wurde am 6. Mai 1999 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt, seitdem ist der Commissario ein Dauerbrenner. Regelmäßig schalten zehn Millionen Menschen ein. «Das ist ein Erfolg, der über das Vorstellbare hinausgeht», sagte Hauptdarsteller Zingaretti. Das Rezept aus seiner Sicht: «Montalbano ist ein Mann, wie alle sein wollen. Er hat kein Preisschild, er ist kein Mann zum Verkauf, er kann noch mit seinem eigenen Kopf denken und sich fragen, was er gerne tun würde.»

Regisseur Alberti Sironi hält die Komposition der Geschichten für ausschlaggebend: «Die Komplotte von Montalbano mischen dramatische Elemente, schwere, dunkle, mit lustigen und leichten Elementen», sagte er. Außerdem folge Montalbano immer seinen Gewohnheiten. «Darin erkennt sich das Publikum wieder.»

Großen Anteil am Erfolg hat auch der in Italien äußerst beliebte Protagonist Luca Zingaretti. Sein Charakter, der etwas kauzige Kommissar Montalbano, ist zu Beginn der Krimiserie ein Mann in den 40ern. Er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und eine gute Intuition. Seinen Mitmenschen gegenüber verhält er sich oft launisch und reizbar.

Camilleris Krimis haben Eigenheiten, die auch in die TV-Folgen übernommen werden. Die tiefgründigen Dialoge im sizilianischen Dialekt, die malerischen Landschaftsbilder Süditaliens und das gute, regionale Essen, das Montalbano besonders schätzt. Gerade diese Verwurzelung in der Region Sizilien begeistert viele Zuschauer.

Auch die aktuellen Probleme Italiens spielen in den Filmen eine bedeutende Rolle und werden immer wieder thematisiert. Dazu zählen zum Beispiel die Situation der illegalen Einwanderer oder die Veränderungen der Kriminalität durch das Internet. «Es gibt ein spezielles Klima, das man atmet, von unserem Italien heute, seinen Problemen, seinen Schwierigkeiten, seinen Unsicherheiten, das Andrea Camilleri in seinen Büchern atmen lässt», sagte Zingaretti.