Twitter-Aktie stürzt nach Enttäuschung über Quartalszahlen ab

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat nach enttäuschenden Quartalszahlen rund ein Fünftel seines Werts verloren. Nachdem die Anleger das Papier schon in einer ersten Reaktion am Dienstag abstürzen ließen, ging die Talfahrt am Mittwoch weiter.

Eine Panne, durch die Eckdaten fast eine Stunde zu früh durchsickerten, dürfte die Kursverluste noch verschlimmert haben.

Twitter musste die Zahlen noch während des regulären Handels am Dienstagabend vorlegen, nachdem erste Zahlen Kursverluste auslösten. Die auf das Aufspüren von Informationen im Netz spezialisierte Firma Selerity hatte Eckpunkte aus dem Quartalsbericht veröffentlicht - ironischerweise über Twitter. Ein ähnlicher Coup war Selerity schon im Jahr 2011 bei Microsoft-Zahlen gelungen. Damals waren sie früh ins Netz gestellt und von den Datenjägern entdeckt worden. Auch diesmal machte eine Website der Aktienbörse Nasdaq eine Version des Quartalsberichts versehentlich auffindbar.

Die Twitter-Aktie verlor bis zum Handelsschluss am Dienstag 18,18 Prozent und im frühen Handel am Mittwoch ging es noch einmal um rund 4,5 Prozent runter. Das Papier, das noch am Dienstagnachmittag über 50 Dollar gekostet hatte, rutschte an die Marke von 40 Dollar ab.

Twitter steckt weiterhin tief in den roten Zahlen. Im ersten Quartal gab es einen Verlust von 162,4 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 436 Millionen Dollar. Twitter verfehlte damit aber sowohl die eigenen Vorhersagen als auch die Erwartungen der Analysten. Auch die Prognose für 2015 wurde gekappt.

Dabei kündigte Twitter auch eine Übernahme und eine Partnerschaft mit Google an, um das Werbegeschäft in Schwung zu bringen. Der Konzern kauft die Firma TellApart, die auf Anzeigen-Dienste für Handelsunternehmen spezialisiert ist. Twitter-Chef Dick Costolo war ein früher Investor bei TellApart. Außerdem wird Twitter künftig Anzeigen-Plätze auch über Googles Plattform Doubleblick vermarkten. Das könnte großen Werbekunden entgegenkommen.

Die Zahl aktiver Nutzer bei Twitter stieg binnen drei Monaten von 288 auf 302 Millionen im Monat. Rund 80 Prozent von ihnen greifen auf den Dienst von Smartphones und Tablets zu. Bisher machten sich die Anleger bei Twitter vor allem Sorgen über das langsamere Wachstum der Nutzerzahlen etwa im Vergleich zu Facebook. Jetzt rückt auch der Umsatz in den Fokus. Twitter senkte die Erlös-Prognose für 2015 auf 2,17 bis 2,27 Milliarden Dollar. Die bisherige Spanne lag bei 2,3 bis 2,35 Milliarden Dollar.

Die tiefroten Zahlen stören die Investoren vorerst weniger. Schon im Vorjahresquartal hatte Twitter knapp 132,4 Millionen Dollar verloren. Dass die Umsatzziele im Quartal verfehlt wurden und auch im gesamten Jahr nicht erreicht werden, erklärt der Konzern mit dem starken Dollar. Das lässt Auslandseinnahmen bei der Umrechnung in die US-Währung niedriger in der Bilanz erscheinen.