Twitter startet mit Euphorie an der Börse

Die simple Idee von 140 Zeichen langen Kurznachrichten hat Twitter zum milliardenschweren Börsenstar gemacht. Der Handel in New York startete am Donnerstag bei 45,10 Dollar und damit um 73 Prozent über dem Ausgabepreis.

Die Gesamtbewertung von Twitter lag damit zum Start bei annähernd 25 Milliarden Dollar oder grob gerechnet rund 19 Milliarden Euro. Damit ist das erst sieben Jahre alte Unternehmen an der Börse mehr wert als traditionsreiche deutsche Großkonzerne wie der Sportartikel-Hersteller Adidas oder der Energieversorger RWE. Das Unternehmen hatte seine Aktien zu 26 Dollar verkauft und war bereits über die ursprüngliche Spanne hinausgegangen.

«Die tolle Sache an Twitter ist: Wenn Du anfängst, wird es unersetzlich für Dich», sagte Firmenchef Dick Costolo zu Handelsbeginn auf dem Parkett der New York Stock Exchange an der Wall Street. Er erschien im grauen Anzug mit weißen Hemd und hatte sich zur Feier des Tages ungewohnterweise eine Krawatte umgebunden.

Twitter nahm beim Börsengang bis zu 2,1 Milliarden ein, abzüglich der Gebühren für die beteiligten Banken. Die Investoren setzen auf das Unternehmen, obwohl es bis heute Geld verliert. Twitters Schatz sind die mehr als 230 Millionen aktiven Nutzer, Tendenz steigend. Denen, so hoffen die Investoren, kann man in Zukunft noch mehr einträgliche Werbung präsentieren.

Nutzer können über Twitter sogenannte Tweets verschicken: 140 Zeichen lange Kurznachrichten, denen auch Bilder, Videos oder Links zu Webseiten anhängen können. Das Unternehmen nutzt seinen Dienst selbst gerne: Twitter verkündete sowohl den Beginn der Börsenvorbereitungen vor zwei Monaten als auch den Ausgabepreis am Mittwochabend per Kurznachricht.

Der Dienst gilt als vielleicht wichtigstes Medium für schnelle Nachrichten, wie sich beim Bombenanschlag auf den Marathon in Boston oder bei der Notwasserung eines Airbus-Jets im New Yorker Hudson River zeigte. Twitter-Nutzer schlugen mehrfach die klassischen Medien, die erst Teams an den Ort des Geschehens schicken mussten.

Der Kursprung bei Twitter steht im krassen Gegensatz zum Börsenstart von Facebook im Mai vergangenen Jahres. Der Kurs des Online-Netzwerks konnte sich am ersten Tag nur durch Stützungskäufe der beteiligten Banken halten und brach dann um mehr als die Hälfte ein. Grund waren technische Pannen zum Handelsstart und die Sorge der Investoren vor schwachen Werbeeinnahmen auf Smartphones. Mittlerweile liegt die Facebook-Aktie aber 26 Prozent im Plus.

Twitter hatte aus dem verpatzten Börsenstart von Facebook gelernt: Das Unternehmen wählte die altehrwürdige New York Stock Exchange statt der rein elektronischen Technologiebörse Nasdaq als Handelsplatz. Zudem wies Twitter darauf hin, dass bereits 70 Prozent der Werbeeinnahmen von mobilen Geräten stammen.

In den ersten neun Monaten des Jahres hatte sich der Twitter-Umsatz so auf 422 Millionen Dollar verdoppelt. Gleichzeitig lief aber ein Verlust von 134 Millionen Dollar auf. Grund waren hohe Investitionen etwa in die Technik oder ins Marketing. Die Hoffnung ist, dass die Werbeanzeigen in der Zukunft deutlich mehr einbringen und damit die Kosten decken und einen Gewinn abwerfen. Facebook ist profitabel.